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Bücher zum Thema Autismus

Mittlerweile gibt es zahlreiche Bücher zum Bereich Autismus. Fachbücher oder auch Erlebnisberichte, junge und ältere. Wir stellen hier viele davon vor.

Unten auf dieser Seite haben Sie die Möglichkeit, uns Bücher für kommende Rezensionen vorzuschlagen.

Laufend neue Einträge. Letzter am: 10.07.2016 (auf das Datum klicken, um die letzte Rezension abgezeigt zu bekommen). Klicken Sie auf das Cover, um das Buch zu kaufen.

Rezensionen gesammelt als eBook oder auch gedruckt: Hier. Drücken Sie Strg + f um Suchbegriffe für diese Seite einzugeben.

Cover und Link zur Bestellung
Titel und Rezension

Robin Schicha: Außerirdische Reportagen vom Schulalltag. Ein junger Autist beschreibt seine Erdensicht

In diesem Buch berichtet Robin Schicha von seinen Erfahrungen, die er im alltäglichen Schulalltag als Autist unter nichtautistischen Mitschülern gemacht hat. Eindrucksvoll und sensibel reflektiert der Autor, wie undiszipliniert und feindselig sich seine Mitschüler ihm gegenüber verhalten und ihn ausgrenzen und mobben. Der Autor hat seine Erlebnisse während seiner Pubertät in der Schulzeit tagebuchartig notiert. So stellen sie ein authentisches Ergebnis eines jugendlichen Autisten dar. Robin hat intuitiv das Gefühl, nicht zu den Menschen dieser Welt zu passen, sondern ein Außerirdischer zu sein, der sich auf dem Erdenplaneten verirrt hat.

Immer wieder beschreibt der Autor das Unverständnis seiner Lehrer für seine autistischen Probleme. So wird er von einer Lehrerin wegen seiner Geräuschempfindlichkeit als Hypochonder diskriminiert. Wie viele autistische Schüler, die erst spät die Autismusdiagnose erhalten, hat Robin häufig die Schule wechseln müssen. Die unterschiedlichsten Schulen mit den verschiedenen Lehrern und den zahlreichen schwierigen Erfahrungen werden im Buch eindrucksvoll beschrieben. Ergänzt wird es durch seine Erfahrungen mit Schulbegleitern. Neben dem Text liegt ein Schwerpunkt auf den bemerkenswerten Illustrationen von Robin.

Der Autor und Zeichner ist ein langjähriger begeisterter Cartoon- und Comiczeichner. Mit klaren Strichen unterstreicht er eindrucksvoll die beschriebenen Situationen der einzelnen Kapitel. Das Buch schildert neben schwierigen Erlebnissen auch amüsante Ereignisse und trägt dazu bei, ein besseres Verständnis für die Eigenarten, Wahrnehmungen und Perspektiven eines autistischen Jungen zu erhalten.

Kyra Müller: Autismus und Arbeit: Inklusion von Menschen im autistischen Spektrum in das Arbeitsleben

Die unausgewogenen Chancen von Personen im Autismus-Spektrum auf dem Arbeitsmarkt, die oft in keinem Verhältnis zu den nutzbaren Fähigkeiten stehen, waren die Grundlage für die Arbeit der Autorin. Sie erscheinen wie eine Verschwendung: Für die Gesellschaft, für die Arbeitgeber, aber auch als unnötige Einschränkung für die Menschen, die dadurch ihr Leben oft nicht selbstbestimmt führen können. Im Zeitalter von Inklusion und Fachkräftemangel muss es Wege aus dieser Fehlentwicklung geben.

Zum Einstieg in das Thema werden daher Erläuterungen der aktuellen Gesetzeslage, inklusive der UN-Behindertenkonvention gegeben. Der umfassende Überblick über die Arbeitsmarktstruktur und die verschiedenen Fördermöglichkeiten ist eine wichtige Grundlage, um Inklusion gelingen zu lassen. Dazu werden aktive deutsche Firmen, aber auch beispielhafte Unterstützungsmöglichkeiten in anderen Ländern vorgestellt. Besonders spannend und das Herzstück des Buches ist eine Untersuchung zum Bereich „Autismus und Arbeit“, an der insgesamt 344 Menschen teilgenommen haben. Von den 273 Teilnehmenden, welche die Online-Befragung komplett beendet haben, sind 241 im autistischen Spektrum. Sie geben einen sehr guten Überblick zur aktuellen Situation und den Unterstützungswünschen der Personen. Dies sind Ansatzpunkte, damit Menschen im Autismus-Spektrum ihre Fähigkeiten einsetzen können, um damit ihren Lebensweg in einem größeren Maße als bisher eigenverantwortlich zu gehen. Die Gesellschaft und die Arbeitswelt werden davon profitieren.

Dietmar Zöller: Als nichtsprechender Autist in fremden Ländern. Das Unterwegssein als Chance begreifen. Mit einem Vorwort von Maria Kaminski

Dietmar Zöller ist einer der bekanntesten nichtsprechenden Autisten im deutschen Sprachraum. Mit seinen zahlreichen Buch- und Fachartikelveröffentlichungen hat er maßgeblich zum Verständnis von Autisten beigetragen. Dietmar Zöller reist gern. Fast jedes Jahr hat er mit seinen Eltern zusammen eine Reise unternommen: Als Kind, als Jugendlicher und als Erwachsener. Die Frage des Verreisens stellt sich für Eltern behinderter Kinder und Erwachsener häufig: Wie soll das gehen, welche Ziele kann man auswählen, kann ich eine ganz normale Pauschalreise buchen? Dietmar Zöller gibt in dem vorliegenden Buch die Antwort: Ja, alles ist möglich. Deutschland, Europa und die weite Welt.

Das Buch soll Eltern behinderter Menschen Mut machen, sich durch die Behinderung nicht zu sehr einschränken zu lassen. Es zeigt sehr deutlich, wie wichtig das Reisen auch für den behinderten Menschen ist: Eine Bereicherung, auch Herausforderung, an der man wachsen kann, ein einzigartiges Erlebnis. Dieses Buch ist eine großartige Sammlung von Reiseberichten aus nahen und fernen Ländern. Was mit Campingtouren durch Westeuropa bis hin zum Nordkap begann, konnte mit der politischen Wende auf Osteuropa ausgedehnt werden und ist mit geschichtlichen Einblicken ergänzt. Dann entschloss sich Familie Zöller auch mit Fernreiseunternehmen unterwegs zu sein: Grönland, Mongolei, China, Indien, Namibia und viele weitere Länder folgten.

Eine Inspiration weit über das Thema „Reisen mit behinderten Menschen“ hinaus. 78 Fotos aus dem Familienalbum der Zöllers illustrieren die Berichte und geben einen sehr persönlichen Einblick in ihre Reisen.

Michael Schmitz, Melanie Matzies-Köhler, Dietmar Zöller: Alles über Autismus

Alles in diesem Buch ist über Autismus: Bücher, Magazine, Blogs und Filme.
Ein Buch zum Blättern und Entdecken. Das Buch soll Anregungen und Informationen geben und die Möglichkeit, sich in den einen oder anderen Schwerpunkt weiter zu vertiefen.

Insgesamt wurden für dieses Buch über einhundert Beiträge von verschiedenen Autoren zusammengetragen. Sie ergeben ein vielfältiges Bild – so vielfältig wie die Formen des Autismus.

John Elder Robison: Schau mich an! Mein Leben mit Asperger

Als Ausdruck seiner ehrlichen Zuneigung tätschelt er andere Kinder mit Knüppeln, grinst erleichtert, wenn ein Unbekannter stirbt und hält Halloween mit kleinen Explosionen im Vorgarten kinderfrei: Verhaltensweisen, die immer ein strenges Schau mich an! seiner Eltern zur Folge haben. John Elder Robison gilt in seiner Kindheit als »unnormal« und wird häufig gemieden. Als er sein großes Talent für elektrische Geräte entdeckt, öffnet sich ihm eine neue Welt: Er konstruiert flammenwerfende Gitarren für KISS und entwickelt die ersten elektronischen Spielzeuge für mb. Doch was ihn als Kind zum Außenseiter macht, lässt ihm auch im Job keine Ruhe.

Erst mit vierzig Jahren erfährt er die Ursache für sein Verhalten: Er leidet am Asperger-Syndrom - einer leichten Form von Autismus. In Schau mich an! erzählt John Elder Robison aus seinem Leben, wie es wirklich war: manchmal traurig, manchmal komisch, aber immer ergreifend.

Schor/ Schweiggert: Autismus - ein häufig verkanntes Problem: Kinder und Jugendliche mit autistischen Verhaltensweisen in allen Schularten

Die Erziehungsverantwortlichen in allen Schularten sind meist nicht in der Lage, die schweren Mehrfachbehinderungen des Autismus und dessen Auswirkungen auf das soziale Handeln zu erkennen und wirksame Fördermaßnahmen zu ergreifen.
• Dieses Buch wendet sich an Lehrerinnen und Lehrer in Förderschulen, aber vor allem in Grundschule und Hauptschule, in Realschule und Gymnasium
• Es beschreibt autistische Störungen, ihre vielfältigen Symptome sowie Möglichkeiten zur Früherkennung.
• Es stellt vielfältige Formen der Therapie vor und informiert über besonders wirkungsvolle Therapieansätze.
• Es handelt medizinische, pädagogische und soziale Aspekte, die sich im Umgang mit autistischen Kindern ergeben.
• Es bündelt Erkenntnisse von Fachleuten und stellt Erfahrungen und Einschätzungen von betroffenen Eltern, von Mitgliedern aus Autismus-Verbänden, von Medizinern und Lehrern dar.
• Es liefert eine Fülle an Anregungen und beschreibt pädagogische Maßnahmen, die in der Schule zur Anwendung kommen können.
• Es zeigt pragmatische Möglichkeiten der Zusammenarbeit von Schule, Elternhaus und außerschulischen Fachdiensten im Sinne einer kompensatorischen und ganzheitlichen Erziehung und Förderung auf.

Dawn Prince-Hughes: Heute singe ich mein Leben. Eine Autistin begreift sich und ihre Welt.

Obdachlos, Stripperin, Gorillas – dann Dr. der Anthropologie: Die Lebensgeschichte von Dawn Price-Hughes, bei der mit 36 Jahren das Asperger-Syndrom diagnostiziert wird.
Sie beschreibt ihre Kindheit und das sie die Schule aufgrund von extremen Mobbing abgebrochen hat. Wenig später ist sie mit 16 Jahren auf der Straße und obdachlos. Jahrelang zieht sie durch die USA, ohne jedes Ziel und Perspektive.
Sie hat alle Tiefen der Gesellschaft durchlebt, hat in Strippclubs in Tierfellen getanzt – ohne dies so wahrzunehmen, ihr Ziel war es stattdessen, die „urbane Gesellschaft zu erkunden“. Als Gespielin lesbischer Frauen dachte sie immer eine Beziehung aufzubauen, dabei ging es immer nur um eine Nacht.
Dann geht sie in den Zoo, lernt die Gorillas kennen, beginnt zu forschen, verändert ihr Leben, beginnt ein Studium – eine unglaubliche Geschichte. Die Formen menschlichen Zusammenlebens erlernt sie durch die Beobachtung der Gorillas, erforscht sich selbst durch ihre Forschungen. Die Beobachtungen an den Gorillas nimmt sie sehr detailgetreu auf, das verschafft ihr schließlich eine Hochschulanstellung.
Im letzten Teil des Buches stellt sie ihre Familienmitglieder mit den jeweiligen Ticks und Auffälligkeiten vor: Sicherlich eine seltene Ansammlung! Sie erläutert die Notwendigkeit, diagnostiziert zu werden und den Weg dorthin. Dazu gehört die (Familien-)Planung innerhalb ihrer lesbischen Beziehung und ihre Unterstützung bei der Asperger-Diagnose eines Cousins.
In diesem Buch liest man über das chaotische Leben einer Asperger-Autistin, die immer auf der Suche nach sich selbst ist - und manchmal nicht einmal mehr das - und die glückliche Wendung. Und man lernt viel über das menschliche Verhalten von Gorillas. Ein rundum spannendes Buch, das zu Recht oben in den Verkaufscharts zu finden ist.

Wikipedia (Englisch), Audio mit Bild (55 Min., Englisch), Interview mit der Autorin zu diesem Buch (Englisch)

Gisa Anders: Eine Fantasie guckt aus dem Fenster. Vom frühkindlichen Autismus zum selbstbestimmten Leben

In der normalen Entwicklungsliteratur findet man viele positive Ansätze und Anregungen. In der Behindertenliteratur gibt es zwar Bestätigung, aber man wird als Eltern verängstigt und entmutigt. Wenn bei normalen Menschen die Phase der größtmöglichen Lernfähigkeit beginnt, sind die meisten autistischen Menschen schon nicht mehr erreichbar.
Ich werde oft gefragt: „Was macht Dirk?“ Ich sage dann voll Stolz: „Er ist jedes Wochenende in der Disco oder bei Freunden, ansonsten bereitet er sich intensiv auf seine Gesellenprüfung vor.“ Auf meine Frage: „Hätten Sie das je für möglich gehalten?“ folgt ein spontanes, klares „Nein“. Dirk war nicht in der Lage, sich selbst eine Grundlage zu schaffen. Daher stand seine Entwicklung in der Zeit der wichtigsten Lernphase fast still.
Dirk brauchte Hilfe, die hat er bekommen.
Dirk brauchte Mut, den habe ich ihm gemacht.
Auch ich brauchte Mut, den habe ich mir nicht nehmen lassen.
Viele Menschen haben sich immer wieder bemüht, mich zu entmutigen, sie haben mein Engagement belächelt.
Ich habe mich nicht von Behindertenliteratur verängstigen lassen, sondern habe die festgestellten Entwicklungsmöglichkeiten als Chance gesehen.
Dieses Buch ist das Zeugnis eines Kampfes gegen Vorurteile und Klischees – ein hartes Stück Arbeit, es hat sich gelohnt.

Dietmar Zöller: Wenn ich mit euch reden könnte. Ein autistischer Junge beschreibt sein Leben aus seiner Sicht.

Nicht nur ein sehr offenes und bewegendes Buch, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte. Dietmar Zöller ist einer der ersten Autisten, die sich nur über Schreiben mitteilen können – und es auch tun. Eine einmalige Gelegenheit, die Entwicklung des autistischen Jungen mitzuerleben. Und wenn man viele Diskussionen und Entwicklungen aus der heutigen Zeit verfolgt, ist man erstaunt, wie aktuell das Buch von Dietmar Zöller ist.

So beschreibt er das Problem, adäquaten Unterricht zu erhalten: „Alles was ich lernen soll, kann ich schon. Sie wollen mich dumm halten.“ Viele Autisten in Fördereinrichtungen sprechen diesen Punkt an, da sie häufig als geistig behinderte behandelt werden, oft aber ganz andere Fähigkeiten haben. In diesem Buch ist der Leser mehrere Jahre quasi live bei der persönlichen Entwicklung dabei. Es liest sich wie ein Tagebuch. Als er älter wird, kommen auch sehr schöne Gedichte hinzu.

Es zeigt seine Entwicklung, sein reifer-werden und sein großes Verständnis der Welt um ihn herum. Nach außen wirkt er behindert, im Inneren ist er ein junger Mann, der sich selbst sucht. Ein schweres Los, dass er immer wieder thematisiert. Ich habe das Buch tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen – das hatte ich vorher nicht vermutet.

Dietmar Zöller: Ich gebe nicht auf. Aufzeichnungen und Briefe eines autistischen jungen Mannes, der versucht, sich die Welt zu öffnen.

„Ich gebe nicht auf“ ist das zweite Buch von Dietmar Zöller. Das erste Buch „Wenn ich mit euch reden könnte…“ wurde zu einem überraschenden Erfolg und in mehrere Sprachen übersetzt. Durch das Erscheinen des ersten Buches konnte Zöller deutlich mehr Selbstbewusstsein entwickeln. Deutlich mehr Selbstvertrauen. Dadurch wirkt das Buch noch Reflektierter (er wird allerdings ja auch älter). Vielfach wird auf Reaktionen auf das erste Buch hingewiesen, der Briefverkehr abgedruckt. Zöller: „Seit ich Anerkennung bekomme, kann ich meine Behinderung akzeptieren.“

Sein zweites Buch finde ich fast noch besser, als das Erste. Dietmar Zöller erläutert seine sehr differenzierten Körperwahrnehmungen und gibt einen noch tieferen Einblick in das Sein eines Autisten. Für Außenstehende kaum nachzuvollziehen, beschreibt er seine besonderen Fähigkeiten der Augen und Ohren. Er musste bisher ja davon ausgehen, dass alle Menschen so empfinden, wie er. Nun merkt er, dass offensichtlich besonders die Sinneswahrnehmungen bei ihm andern funktionieren. Seine Wahrnehmungen sind dabei stark unterschiedlich in Entwicklung und Nutzung. Mit einem Löffel Tabasco spürt er auch seinen Mund.
Mit über 20 Jahren lernt er durch neue Therapieformen seinen Körper besser kennen, zu nutzen und zu verstehen – erkennt aber auch seine Grenzen, was häufig schmerzhaft ist.
Er beschreibt auch die Ablösung von der Psychotherapie und seine Erfahrungen mit Feldenkrais-Übungen.
Ein tolles Buch, ich bin immer wieder überrascht, wie mich gerade auch die Literatur von nichtsprechenden Autisten fasziniert.

Liane H. Willey: Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom

Einfach ein großartiges Buch: Die Tochter erhält die Diagnose Asperger und die Mutter erkennt sich - endlich - in dieser Diagnose wieder. Sie beschreibt im Rückblick ihre Lebensgeschichte und reflektiert es nun in Kenntnis der Asperger-Diagnose.

Ernst, lustig und voller Anekdoten. Dabei immer spannend, denn man wartet darauf, wie der nächste Lebensabschnitt bis zur Hochschullehrerin mit drei Kindern verlaufen wird - und welchen Anteil das Asperger-Syndrom dabei hat. Ein Extrakapitel widmet sie den Ereignissen, als Asperger-Autistin Kinder zu haben.

Sehr offen, in klaren Worten und schnörkellos beschrieben - und dabei doch sehr ins Detail gehend. Sie beschreibt Gefühle intensiver, als so mancher Mensch ohne Asperger. Sie muss die Gefühle für sich genau beschreiben, um sie zu verstehen. "Auch wenn es 38 Jahre lang gedauert hat - ich kann gar nicht deutlich genug sagen, was für eine Erleichterung es war, mich endlich selbst zu finden!"

Ein gelungenes Ende findet das Buch mit zahlreichen Checklisten für alle Lebensbereiche. Hier gibt Liane H. Willey viele wichtige Hinweise, worauf man als Asperger-Autist achten sollte (bei der Ausbildung, der Arbeit, in Beziehungen etc.). Mit einem sehr persönlichen Vorwort von Tony Attwood.

Temple Grandin: Durch die gläserne Tür. Lebensbericht einer Autistin.

Sicherlich eines der bedeutendsten Bücher zum Themenbereich Autismus. Das erste Buch, dass von einer Autistin geschrieben wurde und ihren Lebensweg unter dem Eindruck des Autismus wiedergibt.

Der große amerikanische Kinoerfolg „Rain Man“ erzählt die Geschichte des Autisten Raymond mit anrührender Unmittelbarkeit und unpathetischer Leichtigkeit. Ebenso eindringlich und geradeaus ist die Geschichte der Autistin Temple Grandin, die übrigens mithalf, „Rain Man“ - Hauptdarsteller Dustin Hoffman auf seine anspruchsvolle Rolle vorzubereiten. Aus ihrer außergewöhnlichen Perspektive schildert Temple Grandin ihren zähen Kampf gegen die bizarren Symptome des Autismus: etwa das Unvermögen, ihre Bewegungen zu kontrollieren, die Besessenheit mit einer Beschäftigung, ihre Geräuschempfindlichkeit, die Überreiztheit ihres Nervensystems überhaupt, oder ihre anfängliche totale Unfähigkeit, mittels Sprache oder auch nur Körperkontakt eine Verbindung zur Außenwelt herzustellen - obwohl sie gerade dies sehnlichst wünschte. Dass es ihr schließlich dennoch glückte, sich aus ihrem gläsernen Gefängnis zu befreien, verdankt sie ihrem eigenen Erfindungsreichtum: Sie konstruierte einen Apparat, mit dessen Hilfe sie körperliche Berührung zulassen, aber auch kontrollieren konnte.
Diese „Zaubermaschine“ wie auch die liebevolle Zuwendung einiger weniger Menschen öffneten ihr den Weg durch die gläserne Tür in die reale Welt.

Temple Grandin: Ich bin die Anthropologin auf dem Mars - Mein Leben als Autistin

Autismus ist aktuell immer mal wieder Thema in den Medien, wenn es um die besonderen Fähigkeiten dieser Menschen geht. Filme wie „Rainman“ oder der Zahlenakrobat Daniel Tammet, der die Zahl Pi auf 22.514 Nachkommastellen aufsagen kann, sind beeindruckend.
Autismus wird erst seit Anfang der 1950er Jahre diagnostiziert, bekannt wurde die leichtere Form des Autismus, das Asperger-Syndrom, erst Anfang der 1990er Jahre.
Temple Grandin hat als erste Autistin ihren Weg und ihren Umgang mit der Diagnose Autismus beschrieben, sie ist die bekannteste Autistin weltweit. 2010 wurde sie vom Time Magazin zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Welt in der Kategorie „Helden“ gekürt.
In diesem Buch beschreibt sie ihren Autismus, ihre Art des Umgangs damit und ihre Lebensgeschichte. Mittlerweile ist sie Dozentin der Tierwissenschaften. Mehr als die Hälfte der kommerziellen Tierhaltungsanlagen Nordamerikas beruhen auf ihren Entwürfen.

Dieses Buch ist persönlich, wissenschaftlich, geschichtlich und atemberaubend spannend.

Temple Grandin: Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier

Grundlage für den Film "Du gehst nicht allein" über Temple Grandin dieses Buch.
Dies ist das aktuellste, deutschsprachige Buch von Temple Grandin. Die Autorin, Wissenschaftlerin und Autistin ist nicht nur die bekannteste Autistin der Welt, sie ist auch Wissenschaftlerin der Verhaltensbiologie. Darüber hinaus hat sie über 50% der kommerziellen Tierhaltungsanlagen der USA und Canada entwickelt.
Ihr drittes Buch in deutscher Sprache widmet sich vor allem der Beziehung zwischen Menschen und Tieren. Dabei lernt man kuriose Dinge über Tiere, erfährt neue wissenschaftliche Hintergründe aus der Autismusforschung und die spannenden Erkenntnisse aus der Tierforschung für den Autismusbereich. Themenbereiche, bei denen man Zusammenhänge auf den ersten Blick nicht vermuten würde, werden spannend miteinander verwoben.

Halfdan W. Freihow: Lieber Gabriel

Das Buch beschreibt sehr gefühlvoll die Beziehung zwischen Vater und Sohn und lässt sich Zeit dabei, es ist kein „schnelles“ Buch. Der Sohn hat Autismus und ADHS, ist 7 Jahre alt. Der Vater beschreibt fast beiläufig die Besonderheiten, die schwierigen Ereignisse – er beschreibt das alltägliche Leben mit seinem Sohn.
Er schreibt das Buch für seinen Sohn wie einen sehr langen Brief, spricht ihn dabei immer mit „Du“ an. Eine wunderschöne Schreibweise, die vom Stil her an „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg…“ erinnert.
Dramatisch, überraschend, grundsätzlich ehrlich und erschlagend offen: Auch die Schwierigkeiten innerhalb der elterlichen Beziehung und zu den Geschwistern werden nicht ausgespart. Überforderung. Ein großes Familienfest führt zum Eklat. Zukunftsangst.
Am Ende noch etwas zu den Diagnosen.
Das Buch zeigt die große Liebe des Vaters zu seinem Sohn – auch wenn es manchmal nicht einfach ist. Einfach schön zu lesen.

Ein Buch, ganz sicher für Eltern besonderer Kinder. Es zeigt einen faszinierend entspannten Umgang mit dem Kind - trotz der großen Herausforderungen, die solche Kinder darstellen.

Cathleen Lewis: Mein Wunderkind. Eine Mutter, ihr autistischer Sohn und die Musik, die alles veränderte.

Es hört sich alles irgendwie typisch amerikanisch an, aber so ist es geschehen: Ein Model und erfolgreiche Börsenmaklerin bekommt ein Kind. Es ist blind. Wenig später stellt sich heraus: Es ist auch autistisch. Aus der erfolgreichen Geschäftsfrau wird eine Kämpferin für ihr Kind, eine echte Löwin, die sich überall einsetzt, mitarbeitet und engagiert. Der Mann verlässt sie, weitere Rückschläge folgen. Puhh, das muss man erst einmal verdauen. Dann schenkt der geschiedene Mann dem dreijährigen ein Keyboard. Es zeigt sich im Laufe der Zeit, das Rex ein musikalischer Savant ist, mit unglaublichen Fähigkeiten.
Die Mutter schreibt selbst über ihren Einsatz im Kindergarten, der Vorschule und den weiteren Stationen des Lebens von Rex. Was sie und Rex leisten, ist schwer beeindruckend und spannend zu lesen. Dabei steht nicht der „Savant Rex“ sondern das „Kind Rex“ im Vordergrund, erst später können seine Fähigkeiten zur gesellschaftlichen Integration genutzt werden. Aber das ist nicht selbstverständlich – sondern nur unter großem Einsatz der Mutter möglich.
Im Vergleich z. B. zu „Lieber Gabriel – die Geschichte meines autistischen Jungen“, einem ruhigen Buch das in den Weiten Norwegens spielt, findet man sich hier im lauten Amerika mit seinen zahlreichen Möglichkeiten wieder. Der weitere Weg von Rex wird spannend zu beobachten sein – entsprechende Filme und Beiträge findet man dazu hier auf meiner Website.

Franz Uebelacker: Ich lasse mich durch wilde Fantasien tragen: Ein Leben mit Gestützter Kommunikation (FC)

Nachrichten aus der sprachlosen Tiefe eines Menschen.

Franz kann nicht sprechen. Er ist Autist und beginnt mit der „unterstützten Kommunikation“ schon zu Zeiten, da diese in Deutschland noch nicht bekannt ist. Die „unterstützte Kommunikation“ ist immer wieder faszinierend für einen Außenstehenden. Da teilt sich jemand mit, der nicht sprechen kann, intellektuell aber durchaus auf der Höhe ist: Man sieht es ihm aber überhaupt nicht an. Auch für Franz ist es immer wieder schlimm, für einen „dummen Spastiker“ gehalten zu werden.
Im Verlauf des Buches wird seine Kindheit, Schulentwicklung und Jugendzeit beschrieben. Nach 9 Jahren Schreibpause (wegen Liebenskummer, Pubertät und der Bewusstwerdung seiner Behinderung) beginnt er mit zahlreichen Texten über seine Sexualität, die Sexualität von Behinderten und den unerfüllbaren Träumen. Er reflektiert seine Behinderung und hadert damit, nicht aus ihr ausbrechen zu können. Er macht sch Gedanken über Gott und seine Situation im Leben.
Schon das Buch von Katja Rohde „Ich Igelkind“ mit der gleichen Thematik hat mich sehr bewegt. Franz Uebelackers Buch lässt einen ähnlich tiefen Einblick in den „autistischen Kerker“ zu. Einzig das Vorwort hätte man weglassen können. Es ist etwas unverständlich und nicht wirklich auf den Kontext bezogen.

Stefanie Perl: Hundgestützte Therapie für Menschen mit Autismus

Hundetherapie und Autismus… darauf muss man erst einmal kommen. Stefanie Perl berichtet aus ihrer Arbeit als Schulbegleiterin und erläutert die theoretischen Grundlagen der therapeutischen Arbeit mit einem autistischen Jungen. Was in anderen Ländern schon seit längerem praktiziert wird, wird sicherlich auch in Deutschland umgesetzt werden.
Interessantes Buch, gut geschrieben und mit neuen Ideen. Für Menschen, die sich für Autismus, Schulbegleitung oder Tiertherapie interessieren ganz sicher Neuigkeiten.

Katrin Moser: Autismus-Spektrum-Störungen im kirchlichen Umfeld

Katrin Moser legt eine bisher einmalige Arbeit über die Autismus-Spektrum-Störungen im kirchlichen Umfeld vor. Dabei geht sie auf Menschen mit Behinderung im kirchlichen Kontext ein, erläutert die Ideen der Inklusion in diesem Rahmen und beschreibt vor allem, auf welche Besonderheiten die Mitarbeiter im kirchlichen Zusammenhang achten sollten, wenn sie mit Menschen aus dem autistischen Spektrum arbeiten.

In Auseinandersetzung mit christlichen Riten und Gebräuchen reflektiert sie die Bedürfnisse besonderer Menschen. Spannend und neu in der intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema.

Julia Anette von Freeden: Empathie und Prosozialität bei Kindern und Jugendlichen mit einem autistischen Geschwisterkind

Sind Geschwisterkinder von Autisten sozialer als andere Geschwisterkinder? Eine interessante These, die durch von Freeden untersucht wird. Eine empirische Arbeit, die aktuelle Veröffentlichungen zum Thema auswertet und eine eigene Untersuchung durchführt.

An der Untersuchung durch von Freeden, Bachelor of Science der Psycholgie, nahmen 103 Personen teil. Die Experimentalgruppe bestand aus 60 Kindern und Jugendlichen, die ein autistisches Geschwisterkind haben.
Das Buch wird abgeschlossen mit einem sehr aktuellen und umfangreichen Literaturverzeichnis.

Georg Theunissen: Autismus verstehen: Außen- und Innensichten

Rezension in Kürze hier

Susanne Strasser: Wahrnehmungsbesonderheiten bei Menschen mit Autismus.

Die Autorin hat ein Kind mit Autismus und ist u. a. Psychologin. Ihre Fachlichkeit wird schnell deutlich und das macht dieses Buch besonders: Sie stellt nicht die bekannten Theorien vor und erörtert Fakten, die auf den ersten 50 Seiten eines jeden Buches über Autismus zu finden sind, sondern sie setzt einen neuen, klaren Schwerpunkt. Autismus wird ausschließlich aus dem Blickwinkel der Wahrnehmung betrachtet. Wie nehmen Menschen mit Autismus ihre Umwelt wahr und aufgrund welcher Wahrnehmung folgt eine – möglicherweise auffällige – Reaktion. Was löst welches Verhalten aus und wie kann man das herausfinden, um das Verhalten zu beeinflussen. Genau der richtige Ansatz, denn Autisten wollen niemanden ärgern, wenn Sie ungewöhnliche Verhaltensweisen zeigen.
Es macht in der Regel keinen Sinn, Verhaltensweisen psychologisch zu erklären, stattdessen ist geradezu detektivisches Geschick gefragt, um auf die Ursache einer Handlung zu kommen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Bücher, in denen Autisten die Gründe ihres Verhaltens während der Kindheit beschreiben können und es gibt immer wieder erstaunliche Erklärungen dafür, auf die man selbst nur schwer kommen würde.
Häufig setzen Therapien bei den Symptomen, nicht bei den Ursachen an und so kann es passieren, dass Therapien das Gegenteil dessen bewirken, was sie beabsichtigen. Einfühlungsvermögen ist hier gefragt. Was für den einen Autisten gut und hilfreich ist, kann für den anderen sinnlos und demotivierend sein. So ist das mit der Wahrnehmung: Was der eine als gut riechend empfindet, stinkt einem anderen.
Im Buch beschreiben viele Autisten ihre Wahrnehmung und die daraus resultierenden Handlungen. Die Autorin zitiert dabei viel aus vorhandener Literatur (z. B. Gee Vero und Dawn Prince-Hughes).
Die große Fülle an unterschiedlichen Wahrnehmungen ist nach Sinnen geordnet. Drei Dinge sind für die Autorin wichtig, um die Lebensqualität von Autisten zu verbessern: (1) Verhalten erkennen und verstehen. (2) Die Umwelt zu gestalten, damit Autisten sich darin wohlfühlen und (3) passende therapeutische Maßnahmen.
Das Buch schließt mit über 20 Seiten mit Übungsmöglichkeiten, um eine sensorische Überforderung im Alltag zu vermeiden. Bei allen Maßnahmen zur „Förderung der Wahrnehmung“ ist es der Autorin wichtig, das kein Zwang ausgeübt wird: Es sollte den Menschen Spaß machen. Gerade der letzte Teil des Buches bringt zahlreiche Idee und Anregungen mit, die man gut im Alltag nutzen kann.
Ein gelungenes Buch zu einem wichtigen Aspekt, um Autismus zu verstehen.

Peter Schmidt: Der Strassensammler - die unglaublichen Erlebnisse eines autistischen Weltreisenden

Rezension in Kürze hier

Aleksander Knauerhase: Autismus mal anders: Einfach, authentisch, autistisch

Rezension in Kürze hier

Rolf Knippers: Autismus, genetisch betrachtet: Veränderungen der Gene als Ursache und Auslöser

Rezension in Kürze hier

Ein - nicht sehr aussagekräftiges - Interview mit dem Autoren finden Sie hier

Peter Vermeulen: Autismus als Kontextblindheit

Das neue Buch von Peter Vermeulen ist der Nachfolger des Buches „Das ist der Titel“. Das autistische Denken beschäftigt den Autoren schon viele Jahre und hat ihn zu diesem Buch inspiriert. Dabei betont er ausdrücklich, dass er damit keine neue Theorie aufstellen möchte, zeigt aber durchaus die Schwächen bisheriger Ansätze auf. Um die drei bisherigen Erklärungsansätze (fehlende Theorie of mind, schwache zentrale Kohärenz, exekutive Dysfunktion) scheint mir die Bezeichnung „Kontextblindheit“ eine gute Klammer zu bilden. „Kontextblindheit ist die mangelnde Fähigkeit, Kontext unbewusst und spontan zu nutzen, um Bedeutungen zu bestimmen.“
Man erfährt in diesem Buch sehr viel mehr, als nur über das autistische Denken. Es erinnert mich ein wenig an Temple Grandins „Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier“, das sich auch viel mit Autismus beschäftigt, aber darüber hinaus unglaublich viele spannende Details über Tiere und Biologie enthält. Das Buch von Vermeulen ist spannend und leicht verständlich geschrieben und vermittelt sehr viele Informationen, Untersuchungen und auch kuriose Entdeckungen über unser Gehirn, über Kommunikation, Wahrnehmung, Wissen etc.. Z. B. geht es zu Beginn um die Funktionsweisen des nicht autistischen Gehirns, um die Bedeutung des Kontextes hervorzuheben und die Kontextblindheit des autistischen Gehirns zu verdeutlichen. Dabei wird sehr bewusst, wie schwer das Leben mit Kontextblindheit ist.
Botschaft: Nichts hat eine feste Bedeutung und nichts ist absolut richtig. Alles ist abhängig vom Kontext. Kontextsensitivität ist wesentlich für die soziale Interaktion.
Auch bei der Sprache ist der Kontext wichtig: Man erkennt einen Satz wesentlich schneller, wenn man den Kontext kennt. Menschen mit Autismus brauchen daher oft länger, einen Satz zu erfassen.
Autisten haben Probleme mit Details, sie können wichtige nicht von unwichtigen unterscheiden, da sie den Kontext oft nicht erkennen = Kontextblindheit.
In jedem Fall ist die Idee der Kontextblindheit ein wichtiger neuer Ansatz, der möglicherweise dazu beiträgt, Verhalten von Autisten besser zu verstehen und das Lernen von Autisten besser zu ermöglichen. Es ist wesentlich wichtiger das Leben von Autisten lebenswerter zu machen, als herauszufinden, welche 130 Gene zum Entstehen von Autismus beitragen.
Am Ende des Buches gibt es zahlreiche Beispiele, wie Fachleute und Eltern auf die Kontextblindheit eingehen und damit arbeiten können, z. B. anders zu formulieren und dabei Kontexterklärungen einzubinden. Das ist wichtig, um Autisten zu unterstützen.
Ein Ziel sollte sein: Nicht den Autismus heilen oder behandeln, sondern die Umwelt autismusfreundlicher gestalten. Ein sehr gutes empfehlenswertes Fachbuch, das sich auch an Autisten und Eltern wendet.

Regine Winkelmann: Früher war ich falsch ... heute bin ich anders: Erzählungen einer Autistin

Ein ganz tolles Buch, um eine Autistin besser zu verstehen. Ehrlich, offen und unendlich viele Erklärungen für Handlungen und Missverständnisse anbietend, so dass man als Nichtautist viele Dinge verstehen kann, die uns manchmal rätselhaft bleiben. Es ist daher auch ein gutes Buch für Angehörige und Fachleute. Aufgrund des lebhaften Schreibstils lässt sich das Buch kaum aus der Hand legen. Sehr nah, gut und verständlich beschreibt die Autorin die Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu kommunizieren.
Herzerweichend, wenn sie wortlos vor einem Lehrer steht und um Hilfe gegen Mobbing bitten möchte: "Bitte helfen Sie mir - dachte ich so laut ich konnte."
Während sie ihre Lebensgeschichte erzählt, gibt es immer wieder Rückblicke in ihr Leben. Viele Begebenheiten werden im Nachhinein mit der Diagnose erklär- und für sie verstehbar. Häufig hätte sie sich eine „Übersetzungshilfe“ gewünscht. Sowohl bei Arbeits- als auch bei Überforderungssituationen.
Ihre beeindruckenden Fähigkeiten als Zeichnerin (einige Beispiele sind im Buch zu finden) und als Musikerin (sie lernt Instrumente durch ausprobieren und muss die Melodie im Kopf haben... spielt ohne Noten!) blitzen manchmal durch. Das sie in Bildern denkt, merkt sie erst durch Bücher von Temple Grandin. Vorher denkt sie (natürlich), dass alle Menschen so denken wie sie. Die Übersetzung der Bilder in gesprochenes Wort dauert etwas, daher kommen Verzögerungen zustande.
Sie beschreibt sehr gut den Unterschied zwischen alleine sein und Einsamkeit. Einsamkeit schafft keine Entspannung: "Erst wenn er da war, konnte ich allein sein." Mit Baby im Bauch war sie dann nicht mehr einsam.
Während sie im letzten Drittel des Buches von ihren Kindern erzählt, die alle Autisten in verschiedenen "Ausdünnungsgraden" sind, berichtet sie nicht mehr von ihren Bedürfnissen. Keiner darf in sie hineinschauen, sie funktioniert und versucht persönliche Tiefs zu verstecken.
Während sie ihre Kinder versorgt, vergisst sie ihre eigenen Bedürfnisse - auch Essen und Trinken. Sie beschreibt ihre Liebe zu den Kindern so schön.
Auch ihre Kinder müssen zur Schule, dabei sind sie ihr doch so ähnlich und müssen viele Ungerechtigkeiten erleiden. Mobbing, Schulwechsel - wie so häufig.

Beste Leseempfehlung! Man darf auf eine Fortsetzung der Lebenserfahrungen von Regine Winkelmann hoffen, denn das wird für alle Nichtautisten sicher eine Bereicherung sein. Aktuell ist sie viel auf Lesungen und Vorträgen unterwegs und propagiert zu recht: "Vor allem sind wir mitwirkungsberechtigt, wenn Nichtautisten erklären wollen, wie wir Autisten die Welt verstehen."

Marlies Hübner: Verstörungstheorien: Die Memoiren einer Autistin, gefunden in der Badewanne.

Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen: Was gibt es für ein besseres Lob? Toll geschrieben, abwechslungsreich und mit einer Prise Erotik (und damit meine ich natürlich ausdrücklich nicht die Missbrauchsszenen!). Die Autorin beschreibt vorrangig ihren Autismus in verschiedenen Alters- und Bewusstseinsstufen, wechselt gekonnt zwischen den Erzählzeiten und geht auf jede Nuance des autistischen Spektrums ein. Dabei ist es ein „autobiografischer Roman“ – keine Biografie. An einigen Stellen tauchen dabei Textfragmente aus Blog- oder anderen Texten von ihr auf, die man wir gute Freunde wiedererkennt.
Was einer Autistin alles passieren kann und wie sie dabei empfindet, streift alle Facetten des Lebens: Kindergarten, Schule, Ausbildung, Arbeits- und Liebesleben. Von schrecklich bis amüsant ist alles dabei. Immer wieder bestürzend, wie vermeintlich professionelle Helfer (hier vor allem Hausarzt und Bundesagentur für Arbeit) in der Auswahl der Unterstützung bei Autisten danebengreifen können.
Wie unterschiedlich Wahrnehmung, Wünsche und Entwicklung im Liebesleben sein können, wird in diesem Buch deutlich. Solch handfeste Berichte findet man sonst eher nicht in Bücher zum Thema Autismus (einzig Dawn Prince-Hughes in „Heute singe ich mein Leben ist mir noch bekannt). Die Grenzen bzw. besonderen Anforderungen an eine Partnerschaft werden klar.
Das Buch schildert den Weg eines Mädchens und später einer jungen Frau ohne Autismus-Diagnose auf den Irrwegen der Kommunikation in einer kommunikationsintensiven Welt. Die anderen Kinder im Kindergarten „können Mensch“ – als Autistin muss sie alles mühsam und missverständlich lernen. Das Selbstbewusstsein ist im Keller, kein Wunder. Die Autismusdiagnose mit 23 Jahren ändert das erst einmal nicht, macht aber vieles im Rückblick verständlich und generiert langsam eine neue, persönliche Stärke – für vermeintliche Schwächen gibt es nun eine plausible Erklärung und neue Umgangsmöglichkeiten.
Ein beeindruckendes Erstlingswerk, das unaufgeregt und umfangreich ein Bild von Autismus vermittelt, damit Nichtautisten nun besser Autismus verstehen können. Klasse!

Weiterer sehr guter autobiografischer Roman: Dietmar Zöller: Kathrin

Gee Vero: Autismus - (m)eine andere Wahrnehmung

Nicht nur, weil ich die Autorin persönlich kenne und Ihre Vorträge großartig sind, sondern weil ich selbst Vater eines jungen Mannes mit Autismus bin und ich mich ehrenamtlich sehr für das Thema Autismus engagiere, habe ich dieses Buch gekauft und gelesen, ich kann es nur empfehlen, weil es neben der Welt von Gee Vero und ihrem Sohn auch eine große Menge Hintergrundinformationen liefert, die für das Gesamtverständnis der Thematik eine große Rolle spielen, dieses Buch kann ich "Einsteigern" und auch "Fortgeschrittenen" empfehlen und es macht Mut!
Es sind nicht nur Informationen über die Hintergründe zu finden, es sind keine wissenschaftlichen Erklärungen in einer Form, die sich - wie in einigen anderen Büchern, die ich gelesen habe - dem Leser nicht erschließen, es sind Beispiele aus dem tatsächlichen Erleben, die daher ausgesprochen nachvollziehbar und verständlich sind. Aber nicht nur diese Erklärungen und Zusammenhänge, die hier dargestellt werden, machen dieses Buch lesenswert, ja nicht nur lesenswert sondern wertvoll. Es sind die Möglichkeiten, die Anregungen und Hilfen beim Zusammensein, beim Umgang mit autistischen Menschen, die den Wert ausmachen.
Gee Vero ist eine mutige Frau, die uns mit diesem Buch an Ihrem Leben und Erleben teilhaben lässt und die nicht zuletzt durch ihr großartiges Kunstprojekt "The Art of Inclusion" eine wunderbare Idee in die Wirklichkeit umgesetzt hat mit der sie etwas Einzigartiges geschaffen hat, was lebt und wächst und Mut macht, so wie ihr Buch.
Ein Muss für alle, die das Thema Autismus interessiert.
Rezension: Torsten Hansen, www.elternzentrum-berlin.de

Ina Blodig: Hochfunktionale Autisten im Beruf: Navigationshilfen durch die Arbeitswelt

Ein wirklich gelungenes Buch mit Handreichungen für alle, die sich mit Autismus und Arbeit beschäftigen. Schon das Buch zum Projekt MAASarbeit war sehr gut, hier wird nun alles pointiert, auf das Wesentliche reduziert und es geht um die Sache, nicht um wissenschaftliches Feintuning. Wie bringt man Autisten in Arbeit – oder besser noch: Wie bringen sich Autisten selbst in Arbeit. Das Buch richtet sich in der Schreibweise an Autisten, spricht sie direkt an. Richtig so! Experten für sich sind die Autisten selbst. Jeder mit der persönlichen Individualität. Deshalb ist als Unterstützung individuelles Coaching/ Jobcoaching das Mittel der Wahl. Viele Fragen werden aufgeworfen, mit denen sich jeder beschäftigen sollte und es werden Unterstützungsmöglichkeiten aufgeführt die hilfreich sein können. Wichtig immer wieder: Selbstreflexion, die eigene Person kennenlernen, Reizüberforderungen erkennen und die Ursachen einschränken oder vermeiden. Der Weg zur Festanstellung ist schwer, aber er lohnt, um sich entfalten und das Leben selbst gestalten zu können.
Das Buch ist sehr gut gegliedert und beginnt mit den Bewerbungsunterlagen. Hier verwendet die Autorin Hesse/ Schrader als Standard. Danke, denn so ist es auf dem Arbeitsmarkt. Kreativität gern bei kreativen Berufen, aber ansonsten bitte schnörkellos.
Jeder Unterpunkt wird durch Erfahrungsberichte von AutistInnen bereichert und dadurch direkt in der Praxis beschrieben. Auch Fördermöglichkeiten sind Thema – aber dafür sollten Fachleute da sein, die durch diesen Dschungel führen, daher ist dieser Teil nur kurz. Dafür geht es um Arbeitsplatzsuche, Arbeitsaufnahme mit den Tücken der ersten Tage, Meetings, Mobbing, Betriebsausflüge und Pausen/ Freizeit/ Urlaub. An jeden Aspekt des Arbeitslebens wird gedacht. Schön: Strategien für einen entspannten Arbeitsalltag. „Bewusst Rosinen essen“ hat mir gut gefallen.
Die Anlagen mit Musterbewerbungen und der „Checkliste durch die Arbeitswelt“ sind eine schöne Ergänzung.
Für Autisten aber auch für Fachleute ein wichtiges Buch: So soll die Arbeit mit der Arbeitsaufnahme von autistischen Menschen zukünftig gestaltet werden. Ich bin auch in diesem Bereich tätig und freue mich, dass wir es genauso machen, wie in diesem Buch beschrieben.

Auch lesen: Kyra Müller: Autismus und Arbeit

John Elder Robison: Schau mich an!

Temple Grandin: Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier

Josef Schovanec: Durch den Wind. Savant und Autist: Ein einzigartiges Zeugnis.

Was für ein einzigartiges Buch: Feinsinnig, intelligent, ironisch, bissig und doch lustig und anregend. Schovanec hat einen einmaligen Schreibstil, der jede Seite zum Erlebnis macht. Dabei stellt er seine Fähigkeiten in keiner Weise in den Mittelpunkt, sondern nutzt sie, um dem Leser einen tiefen Einblick in den Umgang mit Autismus in Frankreich zu geben, seinen Autismus zu beschreiben und viele Therapien und Medikamente zu entlarven. Dabei hält er den Nichtautisten regelmäßig einen häufig durchaus komischen Spiegel vor.
In der Schulzeit verzweifeln Lehrer ihm. Danach bewegt er sich zwischen Genie und Lebensunfähigkeit, besucht eine Elite-Universität und lernt zahlreiche Sprachen. Vorrangig eher exotische Sprachen – denn diese Kurse sind meist wenig besucht. Die Versuche, sich behandeln zu lassen, kosten ihn viel Geld, seine Gesundheit und Lebenszeit – die Diagnose Autismus ist eine Erlösung. Er entdeckt währenddessen durchaus das „humoristische Potential“ der Psychoanalyse und führt auch bekannte Protagonisten regelrecht vor.
Was ist schon „normal“? Von Faust bis Rosemary Kennedy gehen seine Gedanken dazu. Außerdem wäre ein Autist in anderen Ländern sicherlich eher unauffällig – bis hin zu Musterschülern in buddhistischen Klöstern.
So viel schlauer Text! Natürlich auch über Autisten, die Helfer- und Forscherszene (wo trifft man sicher keine Autisten? Bei einem Kongress über Autismus).
Dieses Buch sei jedem empfohlen, der ein tiefgründiges Werk zu einem spannenden Thema lesen möchte. Erheiterungen kommen nicht zu kurz.
In Frankreich ist Schovanec eine bekannte Persönlichkeit, häufig in Funk und Fernsehen als Fachmann für Autismus (auch wenn er von seinen Fähigkeiten nicht wirklich überzeugt ist).

Bestellung über www.spheres.cc

Brita Schirmer, Tatjana Alexander: Leben mit einem Kind im Autismus-Spektrum

Das Buch erfüllt ein ganz wichtiges Anliegen: Informationen für Eltern, deren Kinder eine Autismus-Diagnose erhalten haben. Erstaunlich, wie allein Eltern danach häufig gelassen werden.
Nachdem zu Beginn des Buchs eine kurze Einführung zum Autismus mit neusten Erkenntnissen gegeben und auch die Diagnostik beschrieben wird, geht es erst einmal um die Eltern. Heutige Eltern sind ziemlich allein mit der Erziehung und ohne Erfahrungshintergrund, den große Familienverbünde oder Dorfgemeinschaften früher gebildet haben. Es tut gut, das mal knackig zusammengefasst auf wenigen Seiten vor Augen geführt zu bekommen. Auch die Paar- und Beziehungsebene wird offen angesprochen: Sehr wichtig für jedes Elternpaar mit einem besonderen Kind. Selbst wenn das Paar die Herausforderung aushält, geht es mit einem völlig anderen Ablöseprozess der Kinder weiter, der sich gänzlich anders gestaltet, als bei „normalen“ Kindern.
Zahlreiche Interviews mit Eltern bilden den Kern des Buches. Ehrliche, klare Interviews. Es werden gezielt Fragen gestellt, es bleibt nicht bei Selbstdarstellungen, wie man sie oft in Büchern von Müttern findet. Hilfreich ist sicherlich, dass die Autorin die InterviewpartnerInnen häufig schon viele Jahre kennt. Die Interviews sind für andere Eltern mit „frischer“ Diagnose ganz sicher hilfreich, zumal sie diese Situation aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Für mich war dabei auffällig, dass alle Eltern ihr Leben als wesentlich intensiver beschrieben haben, als ohne Kind mit Behinderung. Durchaus im positiven Sinne, auch wenn es eine Berg- und Talfahrt ist. Die Menschchen wachsen an schwerwiegenden Lebensereignissen („postraumatic groth“) – wenn auch ungewollt.
Sehr professionell ist für dieses Buch, dass die Interviews nicht einfach stehen gelassen werden, sondern eine Auswertung und Zusammenfassung durch eine qualitative Textanalyse erfolgt. Ein sehr wertvoller Buchteil, der die Gemeinsamkeiten, den „Schatz an Erfahrungen“ herausarbeitet.

Im Literaturverzeichnis sind vor allem Bücher von Fachautoren genannt, nicht von Autisten. Eltern, die eine frische Diagnose erhalten haben, sollten Bücher von Autisten als nächstes lesen, um deren Sicht kennenzulernen. Beides zusammen verspricht die richtige Grundlage, einen „intensiven Lebensabschnitt“ zu meistern.

Christine Preißmann: Glück und Lebenszufriedenheit für Menschen mit Autismus

Zu Beginn gibt die Autorin einen Überblick über die aktuelle Glücksforschung. Den Unterschied zwischen Glück (kurz und schnell) und Zufriedenheit (langfristig) ist dabei interessant. Aus der Forschung leiten sich dann tatsächlich Tipps ab, wie man selbst glücklicher werden kann. Zwar keine Überraschungen dabei, aber sicherlich trotzdem hilfreich.
Der zentrale Bestandteil des Buches sind Beschreibungen von Autisten über das, was für sie Glück bedeutet. Diese zahlreichen Berichte sind spannend zu lesen. Häufig gehen die Beiträge in Lebensberichte über. Lebensentwürfe, Ziele, Wünsche und Ideen von Autisten kommen dabei zur Sprache. Sehr unterschiedlich, authentisch und abwechslungsreich. Allein für diese zahlreichen Beiträge autistischer Menschen und die Einblicke in deren Biografien ist die Lektüre sehr lohnenswert.
Als wesentlicher Faktor, der das Glücksempfinden bei Autisten beeinflusst, wird Stress herausgearbeitet, beziehungsweise die notwendige Vermeidung von Stress. Möglichkeiten für die Vermeidung von Stress werden daher intensiv thematisiert.
Wichtig für ein glückliches Lebensgefühl werden auch soziale Kontakte und der Umgang mit Emotionen bewertet. Daneben kann Proedukation das Glücksgefühl fördern, da Autisten dadurch Kenntnisse über den eigenen Autismus erlangen und sich besser kennenlernen. Anschließend gelingt es ihnen besser, auf Entlastung und Stressvermeidungen zu achten, was beides zur Entspannung beiträgt.
Die Autorin wirft in diesem Zusammenhang eine interessante Frage auf: Kann die Diagnose an sich eine Grundlage für das Glücklichsein sein? Die Frage wird bejaht, da es die Erkenntnis über den eigenen Autismus fördert. Hier muss natürlich jeder Autist seine eigene Antwort finden.

Das die Schauspielerei als Möglichkeit genannt wird, um Glück zu empfinden ist interessant – denn Schauspielerei bedeutet natürlich auch Stress. Jeder nimmt das anders war, deshalb kann es möglicherweise einigen sehr helfen, während es für andere keine relevante Idee ist.

Ergebnis des Buches: Glück ist schwer zu definieren und sollte mehr als die Abwesenheit von Unglücklichsein bedeuten. Als Anregung für Freunde und Verwandte: Man könnte autistische Menschen oft fragen, ob sie aktuell glücklich sind oder was die Person möglicherweise stört. So ist man nicht auf Deutungen angewiesen.

Klara Westhoff: In Felix Veritas

Das „Tagebuch einer Asperger-Mutter“ ist tatsächlich ein Tagebuch. Der ganze Weg von der Geburt bis kurz vor dem Abitur wird beschrieben. Was für eine Geschichte! Ein Bericht über die verschiedenen Stadien der Diagnostik zu Beginn, und vor allem über Ämter und die Kämpfe mit den Institutionen. Hier wird mit so manchem Seitenhieb über deren Vorgehensweisen nicht gespart, was verständlich ist bei dem dadurch entstandenen Frust und den finanziellen Nachteilen. Der unbändige Wille, sich gegen die Behörden durchzusetzen, ist beeindruckend. Der „Weg durch die Instanzen“ ist mühsam und leider nicht immer von Erfolg gekrönt. Die Mutter hat oft das Gefühl, das hinter den Kulissen gemauschelt und abgestimmt wird, „Amtsstubenspielereien“, es werden Daten weitergegeben, was am Ende sogar zu einem Verfahren wegen Verdacht auf Kindeswohlgefährdung führt. Das war gefährlich. Klagen, Briefe an Ämter – alles ist im Tagebuch dabei.
Während der Schulzeit wird die Schulbegleitung zum Lotteriespiel – man gewinnt leider selten. Mobbinggeschichten, Unverständnis der Lehrkräfte und Mitschüler – wie so oft. Das dann die Mutter in der Not selbst zur Schulbegleiterin wird, kommt überraschend. Da hätte ich gern mehr drüber gelesen. Mit wenigen Sätzen werden ein Hausbau und die dadurch entstehenden Veränderungen erwähnt. Die Doppelbelastung dürfte an jede psychische Grenze gegangen sein.
Das ein Schulabschluss erreicht wird, ist sicher nicht das Verdienst der Behörden, sondern der Mutter (oder Eltern? Der Vater findet kaum Erwähnung).
Durch den chronologischen Aufbau des umfangreichen Tagesbuchs (290 Seiten) fehlen manchmal Erläuterungen zwischendurch, wenn wenig Zeit zum Schreiben blieb. Auch ein Inhaltsverzeichnis und ein ehrliches Lektorat hätten dem Buch gut getan. Trotzdem eine Leseempfehlung für alle, die es mal genauer wissen möchten, wie es denn so ist mir einem Asperger-Kind.
Warum das Buch kurz vor dem Abitur endet, ist nicht überliefert. Gibt es ein Happyend? Man weiß es nicht, aber eine Fortsetzung ist gewiss, denn nach dem Schulabschluss geht es ins Berufsleben und da warten ganz ähnliche Aufgaben auf die Autorin. Dann heißt der Protagonist vielleicht Felix, denn im Vorwort wird von „meinem Sohn Felix“ geschrieben, während das ganze Buch von Justus handelt.

Eva Daniels: Geliebter Fremder. Wie Frauen ihren Asperger-Mann lieben und verstehen

Eine neue und gute Buchidee: Wie kann frau mit einem Asperger-Mann zusammenleben? Ohne zuviel zu verraten: Es ist etwas für starke und reflektierte Frauen sowie Männer, die ihre Diagnose verstehen und bereit sind, gemeinsam zu lernen.
Das Buch will kein Fachbuch sein und stellt Erfahrungen von Frauen in den Vordergrund. Es beginnt wie ein Liebesroman, so dass Männer versucht sind, den Deckel gleich wieder zuzuklappen. Dass es für Frauen geschrieben wurde, verrät die Autorin auch gleich zu Beginn, wobei AS-Männer und andere Interessierte durchaus viel Neues erfahren. Durch beschriebene Lebenssituationen liest sich das Buch sehr praktisch und lässt vieles gut nachvollziehen.
Das AS-Partner ihre Zuneigung anders zeigen, darf erwartet werden, dass Frauen es damit nicht leicht haben, auch. Frauen müssen sich demnach dringend Ausgleiche suchen, damit sie nicht „unterversorgt“ sind. Das kann gelten für lange Gespräche, soziales Miteinander, Spontaneität und z. B. Flexibilität.
Kommunikationsprobleme sind das vorherrschende Thema einer AS/NT-Beziehung. Die Beispiele im Buch dazu sind sehr gut gewählt. Wichtig ist immer zu wissen, dass ein AS-Mann niemandes Gefühle verletzten möchte – auch wenn es manchmal schwer zu glauben scheint. Die gemeinsame Sprache eines Paares nennt die Autorin daher auch "aspergisch" oder "Lingua Logicorum".
Am Ende des Buches werden die Stufen einer AS/ NT-Beziehung sehr schön als Kulturveränderung, als Umgang mit einem Kulturschock zusammengefasst. Die "sieben Phasen des Kuturschocks" beschreiben ausgezeichnet den Ablauf des Gefühlslebens für eine NT-Frau in einer solchen Beziehung.
Final wird dann noch der MIBF-Test erläutert, damit jeder sich ein Bild von seinen eigenen Charaktereigenschaften machen kann.
Insgesamt ein tolles Buch für Frauen mit AS-Partner, aber auch für alle Menschen, die ein Zusammenleben mit AS-Männern erleichtern möchten. Das Fazit ist, dass ein Zusammenleben mit einem AS-Mann nicht leicht ist, einer Frau aber auch sehr viele einzigartige Momente und Erlebnisse gewiss sind, die es mit NT-Männern so nur selten gibt.
Nun warten wir auf ein entsprechendes Buch über Asperger-Frauen.

Hugo Horiot: Der König bin ich

Ein französisches Buch, geschrieben von einem Autisten und auf Deutsch übersetzt: Nach meiner Kenntnis bisher einmalig. Hugos Autismus wurde früher schon von seiner Mutter, der französischen Schriftstellerin Francoise Lefevre beschrieben, nun schreibt er selbst ein ganz besonderes Buch.
Mit vier Jahren spricht Julian noch nicht. Bewusst, und nur manchmal rutscht ihm ein Wort heraus. Er beschreibt im Rückblick sehr genau, warum er nicht spricht, sich auf den Boden wirft, schreit und durchdreht. Er begründet viele seiner Verhaltensweisen in einer nie dagewesenen Art und Plausibilität. Hier können Fachleute eine Idee bekommen, welche Hintergründe bei diesem Verhalten vorliegen können.
Mit sechs Jahren bringt er den nicht sprechenden Julian um und nennt sich fortan Hugo, da er merkt, dass es anders nicht mehr geht. Er will seinen Autismus verdammen, kämpft mit ihm: Sehr beeindruckend, wie er diesen Kampf immer wieder dargestellt.
Er leidet in der Schulzeit, verachtet seine Klassenkameraden und lässt sich doch zum Klassensprecher wählen. Mit einer ausgeklügelten Kampagne, die er der Politik abgeschaut hat. Er wird gemobbt, hasst sich selbst, fliegt von der Schule. Fast schon das Übliche für einen Autisten im Schulsystem, muss man leider sagen.
Er vergleicht die Therapien für Autisten (in Frankreich) mit Guantanamo. Vergleichbares gibt es aber durchaus auch in Deutschland. Umso mehr man von Innenansichten der Autisten erfährt, desto abstoßender werden bisherige und immer noch gebräuchliche Therapiemethoden.
Das Buch endet mit einem dramatischen Schlusswort der Mutter, die regelrecht geschockt ist von den Erkenntnissen und Berichten ihres Sohnes und nun viel aus den letzten 30 Jahren deuten kann.

Dieses Buch von Huriot ist in jedem Fall ein ganz besonderes Buch, das jedem Interessierten empfohlen sei.

Inci Auth: „Sind die Knöpfe spitz?“ Ein Erfahrungsbericht über das Leben mit meinem herzkranken, autistischen Kind

“Inci Auth schreibt in Ihrem Erfahrungsbericht auf eindrucksvolle und gleichermaßen sensible Art und Weise über ihr Leben mit ihrem herzkranken und autistischen Sohn Dennis, über die oft mühsame Bewältigung des „ganz normalen“ Alltags und die Hürden, die beide täglich zu bewältigen haben.
Schicksalsschläge wechseln sich mit Hoffnungsschimmern ab, Erwartungen weichen Rückschlägen. Und dennoch: Stets siegen Hoffnung, Zuversicht, Mut und unerschütterliches Gottvertrauen.
Die Autorin verwendet eine prägnante und gefühlsstarke Schreibweise und versteht es vortrefflich, ihre Erlebnisse für den Leser nachvollziehbar in Worte zu fassen und in eine „etwas andere Welt“ eintauchen zu lassen. Auf diese Weise erhält er einen eindrucksvollen Einblick in das Leben einer „starken“ Mutter und ihres „besonderen“ Sohnes.
Sie beschreibt die besondere sensible Wahrnehmung der Außenwelt ihres Sohnes authentisch. So authentisch, dass ich mich, selbst vom Asperger-Syndrom betroffen, in vielen Episoden an meine Kindheit und teils immer noch an meine Jetztzeit erinnert fühlte. Es schien zeitweise, ich blickte nicht nur auf eine Buchseite – sondern auch in einen Spiegel.
Inci Auth ist es eindrucksvoll gelungen, mit „Sind die Knöpfe spitz?“ eine literarische Brücke zwischen einem ernsten und zuweilen betroffen machenden Thema und einer „spannenden“ Lektüre zu schlagen.
Nicht nur Betroffene und deren Angehörige profitieren von diesem Buch. Auch Menschen, die erfahren möchten, warum Knöpfe auch spitz sein können, empfehle ich diesen packenden Lesestoff.”
(Rezension: Rolf Piotrowski, Heilpraktiker für Psychotherapie)


Daniela Schreiter: Schattenspringer 2. Per Anhalter durch die Pubertät

Endlich der zweite Teil! Wie gut, das ich den ersten Teil erst vor kurzem gelesen hatte, so konnte ich quasi gleich weiterlesen. Das erste Werk hatte ich als "das am besten lesbare Fachbuch" gelobt - Schattenspringer 2 schließt da nahtlos an. Ein grandioses Buch, um die Welt von Menschen mit dem Asperger-Syndrom besser verstehen zu lernen. Natürlich ist jeder Autist anders, aber auch in diesem Teil werden ganz viele Gefühle und Empfindungen von Autisten so schön verdeutlicht, dass man keinen Fehler machen kann, diese zu kennen.
Die Pubertät ist ohnehin eine schwierige Zeit für alle Menschen, die sich damit aus der Kindheit verabschieden müssen - ein Wirbelsturm der Gefühle. Für Asperger-Autisten ist das mindestens doppelt so schwer. Und Daniela Schreiter kann sich mit den Bildern so klar und liebevoll ausdrücken - einfach herrlich. Eines meiner Lieblingsbilder ist, wie sie als Loreley lange Zeit („Spinnweben“) auf den nächsten Prinzen wartet und auf einem kleinen Schild „free W-LAN“ als Zugabe zur Loreley geschrieben steht (S. 98). Für die zahlreichen Details muss man das Buch mindestens zweimal lesen (z. B. Kirsche statt Apple).
Ein absolut gelungener Nachfolger des erfolgreichen Erstlingwerkes und das Beste daran: Es wird noch einen weiteren Band geben. Da muss ich nun leider etwas länger drauf warten, aber zur Vorfreude werde ich die beiden bisherigen Bücher öfter lesen, verleihen und verschenken. Danke für dieses erneute, einfach zu lesende Fachbuch.

 

Monika Lang (Hrsg.): MAASarbeit. Barrierefreiheit auf dem Weg in die Arbeitswelt für Menschen aus dem Autismusspektrum

„Autismus und Arbeit“ wird zwar immer aktueller und ist auch in vielen Foren Thema - bisher gab es dazu aber nur wenig Literatur. Insofern kommt der Projektbericht von MAASarbeit zu einem guten Zeitpunkt heraus. Das Projekt zur Arbeitsintegration lief über 3 Jahre in Hessen und war vielschichtig angelegt: Beratung, Information, Lobbyarbeit und vor allem individuelle Arbeit mit den Teilnehmenden (MAASarbeit = Menschen mit hochfunktionalen Autismus und Asperger-Syndrom).
Der Bericht beginnt mit der Einordnung des Projekts in die aktuellen Rahmenbedingungen von Diagnostiken, Forschung, Förderprogrammen und der Inklusionsdebatte. Der Überblick über die Fördermöglichkeiten und die weiterführenden Links sind für kommende Projekte sicherlich hilfreich. Auch die Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt werden gut dargestellt - denn zwischen BvB, UB, klassischer Ausbildung und Studium kann man schnell den Überblick verlieren. "Der verriegelte Zugang zum ersten Arbeitsmarkt" ist eine passende Formulierung. Benötigt werden "soziale Dolmetscher" bei der Akquise, den Vorstellungsgesprächen und dem gesamten Bewebungsverfahren. Eine Beschreibung der Unterstützungsbedarfe wird detailliert geliefert. Das Projekt stellt ein "flächendeckendes Versagen" des Systems im Bereich der begleitenden Hilfen fest und zeigt Notwendigkeiten konstruktiv auf.
Die ausführlichen Konzepterläuterungen sowie zahlreiche Fallbeispiele am Ende des Buches machen das Projekt greifbar und gut verständlich. Die beste Anleitung für ähnliche Ideen. Ergänzt wird das Buch mit einer CD, die Arbeitsmaterial enthält, das weiter verwendet werden darf.
Aktuell das wichtigste Buch zum Thema Arbeit und Autismus und Wegweisend für neue Projekte in diesem Bereich. Tatsächlich gibt es wenige ähnliche Projekte in Deutschland, die durch die vorliegenden Ergebnisse bestätigt werden. Alle die sich mit dem Thema „Autismus und Arbeit“ beschäftigen, sei dieses Buch wärmstens empfohlen.
Etwas unklar ist das Coverfoto für mich. Die Autoscooter hätten zumindest farblich sortiert sein sollen.

Melanie Matzies-Köhler: Sozialtraining für Menschen im Autismus-Spektrum. Ein Praxisbuch

Nun in der 2. Auflage: Erstmalig in Deutschland werden verschiedene Formen des Sozialtrainings für Autisten übersichtlich vorstellt. Dabei wird schon im ausführlichen Vorwort von Krüger darauf hingewiesen, dass jedes Programm sehr sorgfältig und individuell ausgewählt werden muss. Es ist eine große Verantwortung, das jeweils richtige Programm auszusuchen. Daher weist auch die Autorin darauf hin, dass nach Möglichkeit die Person selbst die entsprechenden Bereiche benennen sollte. Es ist dabei immer wichtig, sich auf vorhandene Fähigkeiten und Potenziale zu konzentrieren und diese zu berücksichtigen.
Zahlreiche Methoden, Kursbeispiele und Trainings werden vorgestellt. Unter anderem wird viel auf die Social Stories nach Carol Gray eingegangen - hier hätte ich mir allerdings auch ein paar grafische Beispiele gewünscht.
Das Buch ist ganz sicher hilfreich und wichtig für Menschen, die mit Autisten arbeiten. Es werden auch Hinweise zu Büchern, Filmen, DVDs, und Software gegeben, die man gut in Sozialtrainings einsetzen kann, bzw. die für das Verständnis der Zielgruppe hilfreich sind.

Detailliert und ausführlich wird auf den Verlauf und die Inhalte einer Sozialgruppe in Berlin eingegangen. Dabei werden die verschiedenen eingesetzten Methoden gut und plastisch vorgestellt. Ehrlich werden die Effekte, Möglichkeiten aber auch Grenzen diskutiert.
Erfahrungsberichte von Teilnehmenden sind eine schöne Ergänzung der Berichte. Hier wird besonders deutlich, wie wichtig der Kontakt in der Gruppe mit anderen Autisten ist: Gerade Jüngere merken dabei, dass sie mit ihrer Sicht auf die Welt nicht allein sind.
Final wird auf die Übertragbarkeit der Gruppenarbeit in den Alltag eingegangen.

In jedem Fall ein wichtiges Buch für alle in diesem Arbeitsgebiet, aber auch für Eltern, die sich mit verschiedenen Möglichkeiten des Sozialtrainings beschäftigen möchten.

Arnold Pollak: Auf den Spuren Hans Aspergers

Ein interessantes und spannendes Büchlein zu Hans Asperger. Es wurde anlässlich eines Symposions an der Wiener Universitätsklinik herausgegeben, an der Hans Asperger tätig war. Das Buch gibt interessante Einblicke von verschiedenen Autoren in seine Arbeit und Person. Ein wichtiger Teil ist dabei die Überprüfung, ob Asperger während der NS-Zeit Unrecht begangen hat. Zusammenfassend kann man sagen: Nein.
Gespannt war ich auf die Ausführungen seiner Tochter, die aber nicht sehr persönlich geworden sind. Deutlich und sehr nachvollziehbar widerspricht sie der Vermutung, dass ihr Vater selbst Asperger-Autist gewesen sei.
Die Beiträge von Lorna Wing und F. Happe sind leider auf Englisch. Das finde ich sehr schade, auch wenn das möglicherweise für eine wissenschaftliche Veröffentlichung üblich ist. Trotzdem bedeutet das für mich einen Stern Abzug (Hier gibt es beide Artikel übersetzt.)
Interessant ist auch die Studie von Hippler, in der Erwachsene, die von Asperger und Kollegen diagnostiziert wurden, später erneut untersucht werden. Das Ergebnis verrate ich hier natürlich nicht.

Klare Leseempfehlung, insbesondere für alle die sich mit Asperger auseinandersetzen möchten, ein sehr wichtiges Buch. Und in jedem Fall interessant, über den Namensgeber des Asberger-Syndroms mehr zu erfahren.
Abschließend ein Satz von Hans Asperger von 1960: „Ja es scheint fast, als wäre, für bestimmte wissenschaftliche, auch künstlerische Tätigkeiten, ein Schuss Autismus, eine 'Abgestelltheit' gegenüber der Welt von Nöten! Daraus kann eine unbeirrbare Schlagkraft kommen, welche diese Menschen den 'Normalen' durchaus überlegen macht.“ (S. 41).

Melanie Eberhardt: Autismus und Sprache. Wörter, Sätze und Gespräche verstehen

Autismus und Sprache ist ein ganz besonders spannendes Thema. Der Titel und das Cover dieses Buches suggestieren dabei ein allgemeinverständliches Werk, aber das ist es eher nicht. Es handelt sich bei der Veröffentlichung um eine komplexe und interessante Dissertation, die das Thema "Autismus und Sprache" in aller Ausführlichkeit und Vollständigkeit behandelt (deshalb hätte der Titel eigentlich eineinhalb Sätze lang sein müssen mit noch längerem Untertitel. Für Forscher ist der Titel zu trivial).
In der Dissertation geht es um das Kernkriterium der Diagnostik: Die Sprache. Auf über 300 Seiten setzt sich das Buch mit diesem Thema in allen Details auseinander. Interessant ist die Dissertation deshalb vor allem für Autismus- und Sprachforscher.
Nach der Vorstellung des aktuellen Forschungsstands und der Untersuchungsanordnung, werden verschiedene Experimente inklusive aller Ergebnisse, Tabellen und Grafiken im Detail vorgestellt. Eine beeindruckende Arbeit.

Bei dieser Komplexität kann ich kaum ins Detail gehen. Im Wesentlichen wird weitere Forschung in diesem Bereich als wichtig erachtet und bekannte Theorien zumindest in Zweifel gezogen. Das ist eine gute Grundlage für weitere Entwicklungen. Es wird aber auch deutlich, dass man Autisten eben nicht verallgemeinern kann und der mittlerweile etwas abgedroschene Satz "Kennst Du einen Autisten, kennst du genau einen Autisten" auch durch diese Untersuchung bestätigt wird. So einfach ist die Arbeit natürlich nicht auf den Punkt zu bringen.
Es ist eine herausragende Dissertation, die in kommenden Fachbüchern sicher regelmäßig zitiert werden wird. Daher volle Stern-Zahl für das Buch - immer mit Hinweis auf die besondere Zielgruppe der Forschenden.

Dagmar Eiken-Lüchau: Mia - meine ganz besondere Freundin

Wie erklärt man Kindergartenkindern Autismus? Eigentlich gar nicht, denn man versucht die autistischen Verhaltensweisen für Kinder verständlich zu machen. Genau das gelingt Dagmar Eiken-Lüchau in ihrem wunderschön illustrierten Kinderbuch: Sie benutzt das Wort Autismus überhaupt nicht. Trotzdem erschafft sie eine Geschichte, durch die Kinder die Andersartigkeit verstehen und damit umgehen können. In diesem Fall geht es um eine nichtsprechende Autistin. Ein wunderbarer Beitrag zur Inklusion. Toll gemacht und für alle Kindergärten empfohlen.
Die Erlöse des Buches dienen der Unterstützung von Mia – denn die gibt es wirklich.

Ilse Gretenkord: Fanti, das kleine Schlitzohr. Leben mit einem autistischen Kleinkind

Ein sehr intensives und persönliches Buch über die ersten vier Lebensjahre einer frühkindlichen Autistin. Die Umstände allein sind schon eine Geschichte wert: Die Tochter zieht das Kind allein auf und hat eine Mutter, die jahrelang Psychologie unterrichtet hat. Ihr fällt das ungewöhnliche Verhalten der Enkelin auf, bis sie ganz plötzlich versteht: Alles deutet auf Autismus hin. Die Diagnose wird gestellt und fortan unterstützt sie ihre Tochter und die Enkelin wo sie kann. So hat sie sich ihr Rentnerinnendasein eher nicht vorgestellt, nimmt die Herausforderung aber mit viel Elan an.
Ilse Gretenkord beschreibt die täglichen Herausforderungen mit Liebe zum Detail: Wie die kleine Marie immer das Gleiche im Supermarkt einkaufen will, sich komplizierte Wege merkt und Rituale einfordert. Sie kann so viel, punktuell viel mehr als nichtautistische Kinder, findet Schlüssel, um wegzulaufen ist immer ideenreich - spricht aber nicht. Sie scheint ein anders Verständnis der Welt zu entwickeln, als wir es haben. Dabei leidet sie nicht unter ihrer Behinderung, ist oft fröhlich und lacht. Sie kommt nicht in den Kindergarten, es müsste ständig jemand bei ihr sein, damit sie sich nicht selbst in Gefahr bringt.
Eine Stunde Autismustherapie wurde bewilligt – pro Woche. Das Beispiel zeigt wieder, wie Eltern in solchen Situationen allein gelassen werden. Dabei ist die Belastung groß: Alle Tätigkeiten am Tage sind erheblich eingeschränkt, der Tagesablauf richtet sich nach Marie. Als Außenstehender kann man nicht beurteilen, ob Marie manchmal allen auf der Nase herumtanzt und Grenzen austestet. In jedem Fall wird das Beste versucht, individuell gefördert und fachkundig abgewogen, was Sinn macht und was nicht.
Neben der intensiven Arbeit mit dem Kind und diesem Buch hat die Autorin einen Blog eingerichtet, in dem die Geschichte des Buches fortgesetzt wird.
Nach der Lektüre dieses Buches wissen Sie, wie sich das Leben mit einer frühkindlichen Autistin gestaltet. Man erfährt außerdem sehr viel über Symptome des Kanner-Autismus.
Ein gut geschriebenes Buch, das zur Aufklärung und Information bestens beiträgt.
Über Amazon ist das Buch nur selten zu bestellen, daher am besten über info@tiponi-verlag.de oder über den Buchhandel.

Christine Preissmann: Gut leben mit einem autistischen Kind

Dieses Buch bringt Mütter von autistischen Kindern in den Fokus: Das ist richtig. Was sie oft leisten müssen, ist mehr als anstrengend – es ist Höchstleistung. Das Mütter Unterstützung und Entlastung brauchen, liegt auf der Hand und so ist ein „Resilienzbuch“ eine gute Idee.

Das Buch startet mit allgemeinen Hinweisen, was einem gut tun könnte. Wichtig dabei: Das, was früher passiert ist zu akzeptieren, denn man kann es nicht mehr ändern. Nach vorn schauen, neue Ziele setzen. Meist leichter gesagt als getan, wenn man die anschließenden Berichte der Mütter liest, die den Kern des Buches ausmachen. Die Mütter berichten ehrlich und offen, beschreiben Herausforderungen des Alltags und ihr Leben. Es ist immer ein schweres Leben, es gibt kaum Entlastung, von Resilienz ist nicht die Rede. Eigentlich wird einem immer schwerer ums Herz, wenn man die Berichte liest. Irgendwie passt das nicht zum Titel des Buches. Die Klitzekleinen Beispiele von helfenden Elementen und Möglichkeiten sind nicht gerade Mut machend.
Nach den „Berichten aus dem Leben“ gibt es weitere, ziemlich allgemeine Hinweise zum Thema. Ehrlicherweise muss man ja auch sagen, dass dies nicht die Lebenswelt von Frau Preissmann ist, die ganz tolle Bücher vor allem durch ihr persönliches Beispiel geschrieben hat. Sie ist aber keine Mutter.
Am Ende folgt eine Beschreibung der AWO-Arbeit, was sich irgendwie eher wie ein Werbetext liest und nur wenig zum Buchinhalt passt.
Das Coverfoto finde ich eher unpassend, so ein fröhlicher Lockenkopf, milchige Kameralinse, naja.

Eine Quintessenz des Buches: Der Stress für die Mütter lässt vor allem mit dem Alter der Kinder nach.
Insgesamt bin ich mir nicht sicher, ob das Konzept des Buches so gut umgesetzt wurde; es wirkt eher wie Stückwerk. Das kennt man von Preissmanns anderen Büchern nicht, die eine sehr gute Struktur haben und in denen die einzelnen Kapitel aufeinander aufbauen.
Hilft das Buch anderen Müttern? Vermutlich schon, weil der Erfahrungsaustausch hilfreich ist und man dadurch Bestärkung erfährt. Das Thema Resilienz für Mütter von Autisten hätte man anders angehen können.

Georg Theunissen u.v.a: Handlexikon Autismus-Spektrum

Der Untertitel „Schlüsselbegriffe aus Forschung, Theorie, Praxis und Betroffenen-Sicht“ beschreibt das Spektrum dieses Buches ganz hervorragend. Es deckt wirklich alle Begriffe in unterschiedlichen Sichtweisen ab. Der Clou des Buches ist deshalb die beeindruckende Auswahl der Autoren: Alles was Rang und Namen hat ist vertreten. Und eben nicht nur aus der Sicht von Fachleuten, auch zahlreiche Autisten kommen zu Wort. Dabei sind Temple Grandin, Liane Willey aus den USA, aber auch Preißmann, Hajo Seng, Gee Vero oder Dietmar Zöller aus Deutschland. Auf der Forscher- und Professionellen-Seite wird auch keiner vergessen: Dalferth, Noterdame, v. Elst, Vogeley, Matzies-Köhler, Theunissen u.v.a. bringen ihr Fachwissen ein. Die Idee der Konzeption schien zu sein: Wer hat auf welchem Gebiet die breiteste Anerkennung – den laden wir zu einem Artikel ein. Ein tolles Konzept mit einem beeindruckenden Ergebnis. An diesem Werk wird keiner vorbei können, der sich wissenschaftlich oder aus fachlichem Interesse mit diesem Thema beschäftigen möchte. Eine Idee, die der Kohlhammer-Verlag auch für andere Themenbereiche entwickelt hat.
Hilfreich sind am Schluss eines jeden Artikels die Literaturhinweise, die eine Vertiefung des Themas erlauben. So hat man nicht am Ende des Buches 30 Seiten Verzeichnis, sondern es ist gleich thematisch zusortiert.
Inhaltlich ist mir nichts Fehlendes aufgefallen – trotz intensiver Suche. Beim Stichwort Jobcoaching wähnte ich mich schon fündig, da es im alphabetischen Verzeichnis fehlt. Im Sachwortverzeichnis wird man aber darauf hingewiesen, dass es bei „Unterstützte Beschäftigung“ nachzuschlagen ist. Da würde ich es zwar nur bedingt einordnen, aber in der nächsten Auflage wird es sicherlich unter „J“ zu finden sein, denn dieses Arbeitsfeld wird sich schnell weiterentwickeln. Über weitere Hinweise werden sich die Autoren freuen, denn folgende Auflagen wird es sicherlich geben.

Daniela Schreiter: Schattenspringer: Wie es ist, anders zu sein.

Ein Fachbuch als Comic? Ein Comic, das Fachbuchinhalt hat? Ist das möglich, oder schließt sich das nicht aus? „Graphic Novel“ heißt das Genre und Daniela Schreiter – in Fachkreisen Fuchskind genannt – schafft das fast Unmögliche: Sie transportiert echtes Fachwissen in einem amüsanten und kurzweiligen Comic. Eine Offenbarung in der Lobbyarbeit für Autismus, denn jeder kann diese Texte und Bilder verstehen.
Schreiter beschreibt ihre Kindheit und Schulzeit. Sie geht dabei so genau auf die Dinge ein, die sie anders erlebt, die Reize, vor denen sie sich schützen muss und das Unverständnis beteiligter Personen, das man ihren Autismus sehr gut nachvollziehen kann. Und ja, es ist richtig, dass jeder Autist anders ist, aber viele Merkmale sind zumindest sehr ähnlich, und diese „Liste“ arbeitet die Autorin komplett ab. Dadurch kann man die Reizüberempfindlichkeit, die viel Autisten betrifft, sehr gut verstehen und überhaupt erkennen, wo Probleme im Alltag von autistischen Menschen liegen können.
Das Comic ist geradezu ein Lehrbuch für Menschen, die sich mit diesem Thema befassen möchten: Nirgendwo können sie auf eine so charmante und lustige Art und Weise Asperger-Autismus verstehen lernen.
Auch wenn das Buch lustig daher kommt: Es hat einen ernsten Hintergrund und so könnten Menschen, die sich mit Inklusion beschäftigen, durchaus Anregungen z.B. für die Gestaltung des Schulunterrichts mitnehmen.
Man kann schön sehen, wie sich die Autorin im Laufe der Jahre selbst immer besser kennenlernt, so auch während des Studiums. Wie sie ihre Reizüberflutungen/ Overloads rechtzeitig erkennt, bzw. zu welcher Zeit sie Entspannungsphasen benötigt, um keinen Meltdown/ Zusammenbruch zu riskieren.
Fazit: Das am leichtesten verständliche Fachbuch über Autismus auf dem Buchmarkt und ein Comic mit echtem Anspruch. Pflichtlektüre für alle, die sich mit Asperger-Autismus beschäftigen.

Stephanie Fischer: Diagnose Asperger - und jetzt?

Das Buch beschreibt den Weg des nun 8-jährigen Tim von den ersten Auffälligkeiten bis zur 3. Klasse. Die Mutter, alleinerziehende Lehrerin, erläutert dabei sehr gut lesbar und unaufgeregt die vielen Wege, die zu gehen sind, um den Alltag meistern zu können. Diagnosestellung, Frühförderung, Kita, Schule, Hort – acht Jahre mit vielen Ämtern, nicht immer verständigem Personal in den jeweiligen Einrichtungen und der Notwendigkeit, mit den eigenen Kräften zu haushalten. Keine leichte Aufgabe, vor allem, da Tims schwierigste Auffälligkeit schwere Ausraster sind, die zu Zerstörungen, Angriffen auf andere Kinder, Schreien und zu völliger Unkontrollierbarkeit führen. Im Erwachsenenalter wird man später von Overloads sprechen, die das Kind noch nicht steuern kann. Als er „älter“ wird entschuldigt sich oft für sein Verhalten, ohne es ändern zu können.
Das Buch hat eine gute Struktur: Die Umstände und Veränderungen werden beschrieben, am Ende eines jeden Kapitels gibt es Hinweise zu Anlaufstellen, Paragrafen und Tipps. Da Tim in NRW lebt, sind einige Hilfeformen bundeslandspezifisch, unter anderen Begriffen aber auch woanders abrufbar.
Welche Therapien und ggf. Medikationen helfen, wird immer wieder mit Bedacht ausprobiert. Wenn die Medikamente nachmittags nachlassen, beginnt oft eine Horrorzeit. Die Mutter hat den Mut, eine nicht nutzende Therapie abzubrechen. Langfristig hat bei Tim manches zur Erleichterung beigetragen, aber kaum nachhaltig geholfen – es war immer Veränderung, kein Stillstand. Das Älterwerden scheint zur Verbesserung am meisten beizutragen.
Obwohl der Alltag von Frau Fischer unendlich stressig ist, beschreibt sie gut und durchaus spannend, ohne zu jammern. Das ist bei diesen Umständen schon herausragend. Sie sieht ihre Grenzen aber deutlich vor sich und baut ein – auch professionelles – Umfeld auf, um einen Plan B zu haben, wenn sie mit ihren Kräften am Ende sein sollte. Es bleibt schwer, Entlastung zu organisieren.
Für Eltern, die eine Diagnose des Kindes in jungen Jahren erhalten, ist dieses Buch eine Unterstützung. Schnörkellos geschrieben, klar und mit vielen Anregungen für Unterstützungsmöglichkeiten. Von Frühförderung über Kita- und Schulwahl, Schulbegleitung und Jugendhilfe wird alles dargestellt.
Eine Fortsetzung über die nächsten Lebensjahre darf mit Spannung erwartet werden.

Georg Theunissen: Menschen im Autismus-Spektrum. Verstehen, annehmen, unterstützen

Georg Theunissen hat einen guten Riecher für spannende Bücher zum Thema Autismus – und ist ein Vielschreiber. Mit diesem Buch setzt er in der wissenschaftlichen Welt ein klares Ausrufezeichen für den Paradigmenwechsel im Forschungs- und Hilfesystem vom Defizit-orientierten Ansatz („klinisches Modell“) zum Positiv-orientierten Ansatz („Empowerment Modell“). Es bleibt dabei ein wissenschaftliches Buch mit vielen Belegen, Zitaten, Klammern und Verweisen, die ein richtiges Lesen etwas schwer machen (vielleicht könnte man mit Hochziffern bei Verweisen arbeiten), aber nicht minder interessant – ganz im Gegenteil. Die Auswahl der Literatur und Internetseiten hat mich oft im Literaturverzeichnis nachschlagen lassen. Aber das ist nicht jedermanns Sache.
Im ersten Teil des Buches löst Theunissen die Erklärungsansätze für Autismus aus dem Defizitansatz und dekliniert sie nach Modellen aus den USA komplett neu durch. Eine tolle Übertragungsleistung. „Monotropistisch“ wird vermutlich ein immer wichtigeres Fachwort in der Autismusdiskussion werden: Immer nur eine Sache gleichzeitig machen/ Tunnelblick/ Blick für das Details. Bisher gibt es für diesen Begriff nicht einmal einen Eintrag bei Wikipedia! In der Konsequenz dieses Ansatzes müsste z. B. der gesamte Schulunterricht umgestaltet werden.
Ein großes Plus des Buches ist die laufende Unterlegung der theoretischen Überlegungen mit Fallbeispielen. Die sind häufig aus den USA gewählt, da wäre ein Bezug zu Deutschland wünschenswert. Da Theunissen aber ein ausgewiesener Kenner des kalifornischen Systems ist, liegt diese Wahl nahe. Durch die Fallbeispiele wird deutlich, das der Autor sich nicht nur für die Theorie, sondern auch für die Menschen interessiert. Dadurch wird sehr genau dargestellt, wie der Empowermentansatz funktionieren kann. Ein fast futuristisches Modell, den die Umsetzung wird in Deutschland sicher noch sehr lange dauern.
Spannend auch, das sich Theunissen der Diskussion um die ABA-Therapie stellt, einem schon sehr lange existierenden und immer wieder modifizierten Ansatz. Das macht er sehr differenziert, wo es doch leicht wäre, mit aller Kraft diesen Ansatz zu verdammen.
„Schule und Inklusion“ ist auch eine Kapitelüberschrift. Darin weißt er deutlich darauf hin, dass Inklusion nicht zwangsläufig „gemeinsames Lernen“ heißt, sondern „bestmögliche Förderung“ – die kann auch in Extra-Settings stattfinden (z. B. separaten Räumen).
Auch die Arbeitsmöglichkeiten für Autisten sind ein Thema und die alarmierend geringe Zahl von nur 5% Autisten auf dem ersten Arbeitsmarkt. Das ist viel zu wenig. Deutlich macht er dabei auch, dass die WfbMs nur bedingt auf eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgerichtet sind.
Zum Buchausklang gibt es die Geschichte von Frau F., bei der die Möglichkeiten und Chancen der individuellen Begleitung sehr gut herausgearbeitet werden – und zeigen, wie positiv man ein Leben durch die richtige Dosierung der Hilfeformen im Sinne des Empowermentansatzes beeinflussen kann.
Fazit: Ein ganz wichtiges Fachbuch, das neue Ideen und Ansätze liefert.

Tony Attwood: Ein ganzes Leben mit dem Asperger-Syndrom. Von Kindheit bis Erwachsensein – alles was weiterhilft

Für viele Eltern und Fachleute ist dieses Buch das wichtigste Buch über das Asperger-Syndrom überhaupt. Es ist der erste Buchtipp für alle, die sich intensiver mit dem Asperger-Syndrom beschäftigen möchten. Es ist ein aussagekräftiges Fachbuch, lässt sich (trotzdem) sehr gut lesen und spricht dadurch ein breites Publikum an.
In 15 Kapiteln werden alle wichtigen Aspekte des Themas abgehandelt. Von grundsätzlichen Erläuterungen des Syndroms über die Diagnostik, dem soziales Verständnis, Gefühlen, Spezialinteressen bis hin zu sensorischen Empfindlichkeiten, Möglichkeiten der Psychotherapie und Chancen und Risiken von zwischenmenschlichen Beziehungen.
Zu Beginn eines jeden Kapitels findet sich jeweils ein Zitat von Hans Asperger und auch im Text wird immer wieder auf seine Erkenntnisse Bezug genommen, das findet man in anderen Fachbüchern nicht. Im Vorwort steht, dass jedes Kapitel mit einem Zitat eines Menschen mit Asperger endet – dem ist aber nicht so. Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung des Inhalts – was sehr schön und hilfreich ist.
Trotzdem finden sich sehr viele Zitate von Aspergern im Buch, die das Ganze sehr lebendig und verständlich machen. Die Zitierten sind dabei oft selbst bekannte Personen aus dem Spektrum, wie z. B. Temple Grandin oder Liane H. Willey.
Ein schöne Idee ist die Gestaltung des Einbands: Auf der Innenseite sind vorn und hinten jeweils 10 Regeln für Menschen mit Asperger, bzw. hinten für Menschen, die mit Aspergern zu tun haben: Am besten kopieren und an den Kühlschrank hängen.
Vor Augen führen sollte man sich immer, dass es in 1989 die ersten Diagnosekriterien für Asperger gab – also ein wirklich junges Forschungs- und Erfahrungsfeld. Das 450 Seiten starke Buch bildet davon so viel wie möglich ab. Am wichtigsten ist dem Autor dabei das Soziale Verständnis und die Gefühlswelt von Aspergern, denn an dieser Stelle besteht das größte Unverständnis zwischen Autisten und Nichtautisten. Hier findet sich daher auch sehr viele Hinweise, sowohl für Eltern als auch für Fachleute, wie man mit diesen Themen umgehen kann, und wie ein gegenseitiges Verständnis zu fördern ist.
Fazit: In der Gesamtschau ist es das wichtigste Buch zum Thema. Viele andere Bücher haben sich mit speziellen Aspekten des Asperger-Syndroms punktuell intensiver auseinandergesetzt, aber das tut diesem Buch keinen Abbruch: Im Gegenteil. Wer sich mit der gesamten Bandbreite des Themas beschäftigen möchte, ist hier genau richtig

Tony Attwood + Michelle Garnett: Ich mag Dich!

Schon die sehr lesenswerte Einleitung des Buches lässt erkennen: Hier schreiben zwei Menschen ein Buch, die sich sehr gut mit Aspergern auskennen, viele Facetten kennengelernt haben und immer individuell nach den aktuellen Bedürfnissen/ Ausprägungen des Autismus fragen.
Das Buch ist kein klassisches Fachbuch, sondern beschreibt eigentlich eine Therapie, die – und dazu ermuntern die Autoren ausdrücklich – auch von Eltern zu Hause eingesetzt werden kann. Die einzelnen Schritte sind sehr detailliert und mit allem Zubehör beschrieben: Fragebögen für das aktuelle Verständnis von Gefühlen und Zuwendung befinden sich im Anhang, sämtliche Arbeitsblätter sind im Buch abgedruckt und das Kopieren für den Einsatz ausdrücklich erlaubt. Schon beeindruckend, denn wenn man solche Therapiegrundlagen von psychologischen Fachverlagen kaufen müsste, würde das sicher über 100 € kosten.
Das Training zum Gefühle erlernen ist in 4 Schritte unterteilt. Es beginnt bei der Beurteilung des Ist-Zustandes, geht über die Wissenserweiterung und der Korrektur möglicher verzerrter Vorstellungen bis hin zu Übungen, um Emotionen zu verstehen und auszudrücken. Ein engagiertes Ziel, aber durch die Zugewandtheit des ganzen Programms sicher sehr lohnenswert und in der Praxis vielfach und über Jahrzehnte ausprobiert, evaluiert und optimiert. Es ist das krasse Gegenteil von ABA und sollte die Diskussion um diese umstrittene Therapieform weiter unterstützen, damit die Menschen mit Autismus verstanden und angenommen und nicht gequält und konditioniert werden.
Das Lernprogramm ist für Kinder zwischen 8 und 13 Jahren ausgelegt, aber mit gewissen Modifikationen halte ich es auch mit Erwachsenen für durchführbar. Dann sicherlich mit anderen Materialien und Geschichten, aber das Prinzip wäre verwendbar. Denn es geht nicht nur um das Erlernen von Gefühlen, sondern auch darum, sich selbst (bzw. das Kind) besser kennenzulernen, um gemeinsame Umgangsformen zu finden und das Miteinander harmonischer für alle Seiten zu gestalten. Klare Leseempfehlung für Eltern, aber auch für Therapeuten zur Anregung.

N#mmer - das Magazin

Endlich: Das erste Magazin weltweit von Autisten für Autisten, ADHS´ler und Astronauten. Per Crowdfunding wurde das Startkapital für N#mmer zusammengetragen und erzeugte dadurch bereits im Vorfeld großes Medieninteresse. Das Ergebnis wird den Vorschußlorbeeren mehr als gerecht: 100 Seiten in ungewöhnlichem Design und mit ganz viel Text. Bemerkenswert in der aktuellen Magazinlandschaft gibt es wirklich seitenlange Texte, die in die Tiefe gehen und sich nicht auf Schlagworte und bunte Bilder beschränken.
Das Schwerpunktthema „Liebe“ geht dabei über Beziehungskisten und Mutterliebe bis hin zu Fesselspielen. Zahleiche Kolumnen vertreten klare, manchmal kompromisslose Positionen, die für die aktuelle Autismus-Diskussion sehr gut sind. Jeder Text ist von hoher Qualität, auch die Interviews mit Temple Grandin und Sascha Lobo, das besonders lesenswert ist. Es wird sehr persönlich und beschreibt sein ADHS und die Auswirkungen nachvollziehbar.
Das nächste Schwerpunktthema wird „Medien & Kunst“ sein. N#mmer wird der Medienwelt hoffentlich noch lange erhalten bleiben – der Anfang ist gemacht.

Cheryl R. Carter: Das kleine Anti-Chaos Buch. Hilfe für Menschen mit ADHS

Selten passt der Spruch „klein aber oho“ so gut wie hier. Das kleine Buch ist so randvoll mit Ideen, Hinweisen, Überlegungen und praktischen Beispielen, dass man es vermutlich 10x lesen kann und trotzdem immer noch neue Aspekte findet. Ein wahren Blumenstrauß an Ideen – so bunt und vielfältig. Und eigentlich ist es ein Buch nicht nur für Eltern mit ADHS-Kindern, sondern für alle Eltern. Die ADHS-relevanten Unterschiede werden immer deutlich herausgestellt. Wobei es nicht um die Verhaltensauffälligkeit an sich geht, sondern um den Umgang damit. Das macht das Buch gut lesbar, da es ohne Fachchinesisch auskommt. Das es von einer Amerikanerin geschrieben wurde, merkt man an einigen Stellen deutlich, aber es lässt sich leicht übertragen.
Ihre obersten Gebote: Verständliche Regeln, Routine, Klarheit. Ein Buch mit bestem Preis-Leistungs-Verhältnis, da es nie wirklich ausgelesen ist.

Kristine Barnett: Der Funke - Die Geschichte eines autistischen Jungen, der es allen gezeigt hat

Alle Mütter und Väter sollten dieses Buch lesen. Und Menschen, die mit Autisten arbeiten. Warum? Es geht um einen Jungen, bei dem früh Autismus diagnostiziert wird. Die Diagnose lautet, dass er möglicherweise nie sprechen und schreiben wird. Die Therapien laufen fast rund um die Uhr, bis seine Mutter merkt, dass der Kleine vor allem eines nicht hat: Elemente einer normalen Kindheit. Rumtoben, „Dreck zwischen den Zehen“, machen was er will. Sie erkennt nur Rückschritte in seiner Entwicklung, wenn er aus den Fördereinrichtungen zurück kommt. Über 18 Monate spricht Jake kein Wort. Sie wagt dann den Schritt, ihn aus dem Förderbereich herauszunehmen und selbst mit ihm zu arbeiten. Das Ergebnis ist bekannt: Der jüngste Astrophysik-Forscher aller Zeiten mit guten Chancen auf den Nobelpreis, der darüber hinaus noch zahlreiche andere einzigartige Fähigkeiten entwickelt. Der Weg dorthin ist oft steinig und gibt auch so manchen Einblick in die amerikanische Gesellschaft und die Zeit der Rezession um 2011, wo die Familie von Obdachlosigkeit bedroht war.
Obwohl an einigen Stellen das gewöhnungsbedürftige amerikanische Pathos nicht fehlt, beschreibt die Mutter die Ereignisse in aller Dramatik doch schonungslos. Während sie das eine Kind an den Autismus zu verlieren droht, wird ihr nächstes Kind mit einer seltenen, lebensbedrohlichen Krankheit geboren. Später hat sie einen Schlaganfall mit 30 Jahren.

Im Kern geht es um die Aussage, die besonderen Kinder bei dem zu unterstützen, was sie können und nicht ständig auf den Defiziten herumzuhacken. Ein möglicher Gegenentwurf zum fachlich kritisch hinterfragten ABA-Programm. Warum müssen Autisten lernen, Augenkontakt zum Gegenüber herzustellen, wenn es sie körperlich schmerzt und sie sich dann auf nichts anderes konzentrieren können? Es gibt Wichtigeres im Leben! Ideen statt monotone Therapie, Feinfühligkeit statt Zwang.
Ein tolles Buch, sehr gut geschrieben und mitreißend.

Wenn man damit durch ist, sollte man das Buch „Mein Wunderkind“ von Catherine Lewis lesen. Auch ein autistischer (und blinder) Junge, der ein musikalischer Savant ist und sagenhaftes vollbringt – mit einer kämpfenden und engagierten Mutter.

Gisa Anders ist hingegen eine deutsche Mutter, die zwar kein Wunderkind beschreibt, aber auch den erstaunlichen Weg ihres Kindes mit frühkindlichem Autismus von der Geburt bis zur normalen Schul- und Berufsausbildung nachzeichnet. Auch dieses Buch schonungslos mit alles Höhen und Tiefen.

Peter Schmidt: Kein Anschluss unter diesem Kollegen

Peter Schmidt legt sein nun drittes Buch über sein bisheriges Leben mit Autismus vor und es gelingt ihm, eine spannende Ergänzung seiner beiden bisherigen Bücher zu schreiben. Nach einem kurzen Rückblick in die Schulzeit, geht es über das Studium bis hin zu seiner aktuellen Einstellung schonungslos zu Sache. Besonders gefällt mir auch hier, dass er seine ganze Geschichte ohne das Wort "Autismus" schreibt - denn er weiß davon bis zu seinem 41. Lebensjahr ja noch nichts. Stattdessen schildert er seine Versuche, Karriere zu machen und die ständigen Mauern, gegen die er stößt. Er ist ein brillanter Kopf in der Firma und will immer höher aufsteigen - aber er darf nicht. Seine (im Autismus begründeten) Verhaltensweisen lassen nach Meinung seiner Chefs keine Führungsverantwortung für Mitarbeiter zu.
Er wählt freiwillig zahlreiche Kommunikationsseminare, weil er erkennt, dass hier ein verborgener Schlüssel für ihn liegt. Die Ergebnisse sind regelmäßig niederschmetternd. Er lernt viel, nimmt auch Neues zur Anwendung mit, aber die Rückmeldungen sind eindeutig: Ihm fehlen "Basics, die jedes Grundschulkind bereits perfekt beherrscht!“
Schmidt beschreibt unglaublich reflektiert zahlreiche typische Ereignisse aus der Arbeitswelt, die für ihn sehr unbefriedigend verlaufen. Als Fachmann muss man hier laufendes, qualifiziertes Jobcoaching empfehlen. Sein ganzes Berufsleben strotzt vor guten Beispielen, was man als Autist oder Unterstützer eines Solchen beim Arbeitsumfeld beachten sollte. Jeder Mensch und Autist ist anders, aber da Schmidt ein recht klassischer Asperger-Autist ist, bekommt man zahlreiche Anregungen und auch überhaupt erst einmal Ideen von den spezifischen Notwendigkeiten im Berufsleben.
Die Diagnose ist schließlich "wie eine Erleuchtung" für ihn und er kann mit seiner beruflichen Situation Frieden schließen. Behauptet er im Buch. Wer ihn live auf einem Vortrag erlebt, wünscht ihm dazu noch ganz viel Kraft und Ruhe :-)
Fazit: Ganz sicher ein erneuter Bestseller, der endlich besonders den Focus auf die berufliche Entwicklung von Asperger-Autisten legt.

Thomas Girsberger: Die vielen Farben des Autismus.

Aktuell das wichtigste Fachbuch auf dem deutschsprachigen Markt.
In diesem Buch werden zuerst die aktuellen Erkenntnisse zur Forschung im Bereich Autismus zusammengefasst und erläutert. Ein manchmal überraschend neuer und notwendiger Überblick. Girsberger stellt dann ein eigenes Farbschema zur Einordnung einer Auffälligkeit im Rahmen des Autismusspektrums vor. Sicher eine interessante, da auch dreidimensionale Idee.
Neu und interessant auch das Modell zur "Plastizität des Autismus". Das bedeutet, dass bei Autismus eine Entwicklung und eine Veränderung möglich ist - bei richtiger Unterstützung und Therapieansätzen. Das ist ein guter Definitionsvorschlag. Auch sonst macht Girsberger zahlreiche neue Vorschläge und hat weitere Ideen für Forschungsfelder im Bereich Autismus.
Es folgen einige Fallbeispiele, die für das Buch aber nicht so wichtig sind.
Ein Highlight sind sicherlich die folgenden Vorstellungen von Diagnose- und Therapieformen mit konkreten Beispielen und im Online-Extrateil (Passwort im Buch) auch Materialien zum Download. Zahlreiche Anregungen für Eltern und Fachpersonal.
Interessant: immer wieder nimmt der Autor Bezug auf die Originalaussagen von Hans Asperger. Sehr bemerkenswert, wie genau H. Asperger damals schon gearbeitet hat. Das pädagogische Fachpersonal erscheint ihm wichtiger als das psychologische oder medizinische. Aus diesem Themenkreis werden wir in Zukunft sicherlich noch einiges hören.
Außerdem setzt sich der Autor auch mit dem Unterschied zwischen den Therapien ADHS und Autismus auseinander.
Eine schöne Ergänzung ist der ContentPlus-Online Teil. Hier finden sich 24 Arbeits- und Informationsblätter im PDF- aber auch .doc-Format. So kann man die Arbeitsblätter an die jeweils eigenen Bedürfnisse anpassen.

Insgesamt ein sehr aktuelles und sehr wichtiges Buch auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Für Fachleute, die auf dem aktuellen Kenntnisstand sein wollen, unverzichtbar.

Website von Dr. Thomas Girsberger

Fischer, Corinna und Bob: Ich liebe einen Asperger.

Innenansichten einer vom Asperger-Syndrom betroffenen Familie

Stellen Sie sich vor, sie heiraten einen lieben Mann – und nach der Hochzeit ist er ein anderer Mensch. Hochzeit? Abgehakt! Der Schreck ist groß und der anschließende Kindersegen (am Ende sind es Acht!) lenkt von den Beziehungsschwierigkeiten nur bedingt ab, da die ersten beiden Kinder erhebliche Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Der Bericht der Frau und Mutter ist nahezu erschütternd ehrlich und an vielen Stellen fragt man sich, wie sie das aushält. Im ersten Teil des Buches geht es um die Mann-Frau Beziehung, die sich mit zunehmender Kinderzahl auf die Beschreibung der Kindererziehung und der Versuche, vor allem Laura zu verstehen, verschiebt. Das Zusammenleben mit einem Asperger-Autisten aus der Sicht der Frau: grandios und manchmal auch erschreckend zu lesen. Natürlich muss dem Leser bewusst sein, dass jeder Autist anders ist. Aber viele Besonderheiten sind durchaus ähnlich und die werden hier aus der Innenansicht geschildert.
Kurze Kommentare des Mannes „Bob“ und zahlreiche Zitate der Tochter verdeutlichen die unglaublichen Kommunikationsschwierigkeiten untereinander – erweitern das Buch aber auch durch eine heitere Komponente.
Die Auffälligkeiten der Kinder führen zu einem Ärztemarathon, zu Fragen „was mache ich falsch“, zu schiefen Blicken der Bekannten und Verwandten. Um es abzukürzen: Irgendwann äußert eine Ergotherapeutin den Verdacht „Autismus ist das nicht, oder?“ Die Mutter erstellt Listen der Auffälligkeiten der betroffenen Familienmitglieder und nur durch das Eigenstudium und Lesen von Büchern (wie z. B. „Ich bin Autistin – aber ich zeige es nicht“ von Liane Willey) ergibt sich für die Mutter die Erkenntnis „Asperger“. Ärzte, Diagnosen, Psychiater: Fehlanzeige. Wie so oft muss hier eine Betroffene selbst auf die Idee einer Diagnose kommen.
Bob und Laura erhalten die Diagnose Asperger, danach beschreibt die Frau und Mutter das tiefere Verständnis für beide Familienmitglieder (zwischenzeitlich fragt man sich aber schon, wie sie das Ganze verkraften kann! „Unser ganzes Leben war traumatisch“ ist sicherlich eine besonders ehrliche Einschätzung vor der Diagnose). Sehr intensiv wird im Folgenden auf Möglichkeiten der Erziehung von Laura eingegangen. Dabei wird auch deutlich beschrieben, mit welchen Mechanismen Laura lernt, sich anzupassen. Kein Wunder, dass normale Menschen die Maske nicht erkennen, hinter der sich Autisten verstecken (müssen).
Das THZ ist eine große Hilfe, alle Regeln müssen neu erlernt werden. Im Buch erhält man viele Erziehungstipps für Asperger-Kinder und auch Medikamente und Ernährungsfragen werden inklusive der Ergebnisse erläutert.
Ein netter Einschub von Bob: Jedes Unternehmen sollte einen Autisten beschäftigen – das sorgt für objektive Abwägung von Fakten und denkt Unklarheiten auf.

Insgesamt ein beeindruckendes Buch, sowohl für Betroffenen als auch Mit-Betroffene und Fachleute. Noch nie sind die Innenansichten und tiefgreifende Problemlagen einer Asperger-Familie so deutlich formuliert worden. Für den weiteren Lebensweg kann man der beeindruckend starken Frau nur die besten Wünsche mit auf den Weg geben.

Christine Preißmann: Überraschend anders - Mädchen & Frauen mit Asperger

Als ich dieses Buch las, hatten wir eine alte Freundin zu Gast. Sie erzählte von ihrer Tochter, die Anfang 30 ist und zwei Kinder hat. Unsere Freundin machte sich Sorgen wegen verschiedener Verhaltensweisen und Umstände im Leben ihrer Tochter. Einige Fragen weiter empfahl ich ihr dieses Buch (und habe ihr noch Durch die gläserne Tür - Lebensbericht einer Autistin mitgegeben).
Endlich ein Buch, das sich nur um Asperger-Frauen kümmert. Sehr gut aufgeteilt von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Viele Autisten und betroffene Angehörige kommen zu Wort und berichten über ihre Erfahrungen.
So gibt es im Kindergarten häufig Bezugspersonen, die nicht bereit sind auf besondere Kinder einzugehen und dadurch die Probleme vergrößern. In der Schule können Klassenkameradinnen sehr wertvolle Unterstützerinnen sein und bewusst als Helferinnen ausgebildet werden. Die Pubertät stellt die größte Schwierigkeit dar. Alles verändert sich. Viele beschreiben besonders diese Zeit als ob sie laufend als Schauspielerin arbeiten müssten, weil sie nicht mehr sie selbst sein dürfen. Frauen mit Autismus entsprechen sehr häufig nicht den rollentypischen Erwartungen.
Auch in diesem Buch schreibt Frau Preißmann wieder sehr viel Persönliches: Zwischen Einsamkeit und Kinderwunsch und zwischen dem Suchen nach Freunden und dem Froh sein, allein zu sein. Sich selbst besser kennen zu lernen ist ein langer Prozess. Das gilt für Autisten genauso wie für Nichtautisten, aber Autisten erleben das Ganze wesentlich schwieriger und gleichzeitig ist es wichtiger, um auf spezielle Bedürfnisse eingehen zu können.
Auch in der beruflichen Karriere unterscheiden sich Frauen und Männern sehr deutlich. Autisten wird häufig nachgesagt, dass sie am liebsten mit Computern arbeiten. Bei Autistinnen ist das häufig anders. Sie arbeiten auch gerne mit Menschen zusammen.
Am Ende des Buches wird noch über die Ideen der Lebensgestaltung als Autistin geschrieben. Gerne lesen Autistinnen Biografien anderer Autisten wie z.B. Heute singe ich mein Leben - Eine Autistin begreift sich und ihre Welt: Songs of the Gorilla Nation oder Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht. Leben mit dem Asperger-Syndrom.

Das Buch schließt mit intensiven Berichten über Therapien für Autistinnen und den speziellen Vorteilen von Frauen-Selbsthilfegruppen. Auch die Ergotherapie erfährt eine längere inhaltliche Erklärung.
Insgesamt ein sehr lohnenswertes Buch. Ich bin schon gespannt auf die Reaktion der Tochter unserer Freundin.

Christine Preißmann: Asperger - Leben in zwei Welten

Die Bücher von Frau Preißmann zeichnen sich immer durch eine sehr klare und stringente Struktur aus. So auch dieses besondere Buch, in das erneut auch ihre persönlichen Erfahrungen als Asperger-Autistin einfließen. Zu verschiedenen Lebensbereichen gibt es jeweils ein Fallbeispiel, dann Erläuterungen und Hilfen sowie eine Checkliste, was man in diesem Lebensbereich beachten sollte. Sehr transparenter und verständlicher Aufbau.
Im Bereich Schule gibt es auch viele Hinweise für Lehrer und Schulen.
Besonders neu und spannend waren für mich die Bereiche Wohnen, Freundschaften und Partnerschaften (hier Fr. Pinke sehr umfassend und offen), und Gesundheit.
Die "Wohnversuche" von Frau Höhlriegel machen die Bedürfnisse in diesem Bereich besonders deutlich. Sie hat so ziemlich alles an Wohnform ausprobiert und von ihren Erfahrungen kann man sicher profitieren. Ein erneuter Ansatz, um zukünftige Wohnideen für Asperger-Autisten zu diskutieren.
Immer wieder taucht der Bedarf nach einem "Lebens-Coach" auf. Das ist für die Fachleute sicherlich ein interessanter Ansatz für die Zukunft: Ein Pädagoge, abrufbar nach Bedarf, langfristig zuverlässig. Mit dem Bereich Körperwahrnehmungen und Erfahrungen im Krankenhaus schließt das Buch. Auch hier wieder ein spannendes Fallbeispiel einer Aspergerin, die mit einer ungewöhnlichen Krankheitsgeschichte aufwarten kann. Die anschließende Checkliste sollte man als Asperger-Autist im Erste-Hilfe-Schrank immer griffbereit haben!
Insgesamt ein sehr vollständiges Buch, was zur Orientierung und Optimierung in vielen Lebensbereichen sicher beitragen kann.
Empfohlen für Betroffene, Fachleute und Interessierte.

Bürger, Janina: Eine Welt zwischen Autismus und Borderline.

Eine Person, diverse Diagnosen: Janina Bürger kann viele ihrer Diagnosen benennen, verstehen und reflektieren, aber das macht sie am Ende nicht glücklicher. Sie ist zerrissen und gefangen in ihrem "Gefühlschaos", ihrer "Gefühlsblindheit", die in erster Linie mit Borderline und Asperger-Autismus diagnostiziert wurde. Sie beschreibt beide Diagnosen und erläutert die Auswirkungen, die diese Krankheitsbilder auf sie haben sehr genau, lebensnah und in einem offenen und gut verständlichem Schreibstil. Die Texte sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden: Häufig in Akut-Situationen (z. B. beim selbstverletzendem Verhalten), was deren Eindringlichkeit noch einmal verstärkt.
Ihre früheren, jugendlichen Hilfeschreie (heftige Drogenexzesse, schulvermeidendes Verhalten etc.) galten "nicht mehr meinen Eltern" - aber niemand hat sie gehört, bzw. richtig deuten können.
Es wird an keiner Stelle explizit geschrieben, aber ganz offensichtlich - das ergibt sich auch aus dem eindeutigen Material im Anhang - hat Frau Bürger traumatische Erlebnisse in ihrer Kindheit machen müssen, vermutlich mehrere Formen des Kindesmißbrauchs, die sie für ihr Leben gezeichnet haben. Einmal deutet sie es an, in dem sie schreibt, das Ihr keine Werte vermittelt wurden, falsche Dinge waren nicht falsch, sie sollte sich "beim Klauen nur nicht erwischen lassen" etc.
Mit ihrem Buch liefert sie eine spannende Beschreibung eines Menschen ab, der innerlich zerrissen ist und nicht aufgeben wird, weiter intensiv an einer Verbesserung der Situation zu arbeiten. Sie trägt viel Verantwortung (erzieht sechs Kinder!), und stellt sich dem täglichen Kampf immer wieder auf's neue. Das Buch ist bei Books on Demand im Eigenverlag erschienen und macht es dadurch noch authentischer.

Preißmann, Christine: Psychotherapie und Beratung von Menschen mit Asperger-Syndrom. Konzept für eine erfolgreiche Behandlung aus Betroffenen- und Therapeutensicht.

Sie möchten Menschen mit Asperger-Syndrom verstehen? Lesen Sie dieses Buch. Faszinierend zu lesen und dabei extrem komplex: Die Ärztin und Asperger-Autistin Christine Preißmann beschreibt alle Lebenssituationen, in die man als Asperger-Autist (und Mensch) kommen kann und beleuchtet sie in Hinblick auf Schwierigkeiten, Unterstützungsmöglichkeiten und Handlungsmöglichkeiten für Menschen mit dem Syndrom.
Dies ist sehr persönlich und Fr. Preißmann gestattet einen tiefen Blick in ihre Persönlichkeit mit einer entwaffnenden, manchmal sehr intimen Offenheit. Danke dafür!

Sehr reflektiert geschrieben, hat man fast den Eindruck, zwei Personen schreiben dieses Buch. Die Privatperson wird in kursiven Buchstaben hervorgehoben, der andere Bereich ist das Fachbuch. Aber lassen sie sich von dem Titel und der Beschreibung als „Fachbuch“ nicht abschrecken: Es ist für alle Interessierten gut lesbar und eröffnet neue Horizonte.
Man kennt diesen hohen Grand von Reflexion auch bei anderen Wissenschaftlern, die Autisten sind und über Autismus schreiben, allen voran Temple Grandin mit ihren Bücher „Durch die gläserne Tür“ und „Ich sehe die Welt wie ein frohes Tier“. Aber das Buch von Fr. Preißmann geht noch tiefer, da sie keinen Lebensbereich in ihrer Analyse auslässt.

Für Menschen, gerade auch Asperger-Autisten, die über eine Therapie nachdenken, ist dies Buch eine sehr hilfreiche Lektüre, um Ängste und Befürchtungen vor einer Therapie abzubauen.
Die besonderen Fähigkeiten und Möglichkeiten von Asperger-Autisten werden in dem Buch kaum beschrieben, aber das tut der Leseempfehlung keinen Abbruch. Es würde auch nicht zum schüchternen und vorsichtigen Stil von Fr. Preißmann passen, auf besondere Talente und Fähigkeiten als Asperger-Autist hinzuweisen. Dazu sind dann vielleicht eher die Fachleute berufen, die einen Blick von außen haben.
Als Ergänzung lassen sich die sehr praktischen Checklisten von Liane Willey in „Ich bin Autistin – aber ich zeige es nicht“ nennen, die für alle Lebenssituationen Unterstützung anbieten.

Schmidt, Peter: Der Junge vom Saturn

Ein tatsächlich einzigartiges Buch, nicht nur für Menschen, die sich mit Autismus beschäftigen. Peter Schmidt, der von sich in der Ich-Form berichtet, weiß nicht, das er Autismus hat. Es weiß nur, dass er anders ist als andere Kinder, er leidet darunter und fragt sich, warum die anderen so komisch sind.

Wissenschaftler haben bei einigen Autisten festgestellt, dass ihr Gehirn wie eine Festplatte funktioniert. Eine Festplatte, die nicht gelöscht wird. So kann Peter Schmidt sogar seine Geburt beschreiben. Die Erinnerungen an seine Kindheit sind sehr detailliert und hervorragend aus der Sicht eines Kindes geschrieben. Dabei bedient sich Herr Schmidt verschiedener Schreibstile. Besonders zu Beginn mit vielen selbst erfundenen Worten, die aber alle sehr verständlich bleiben.
Menschen, die sich mit Autismus ein wenig auskennen, erkennen schnell, dass Herr Schmidt das klassische Leben als Asperger-Autist beschreibt.
So schlimm es für das Kind auch gewesen ist: die Missverständnisse, die sich aus dem (Miss-)Verständnis von Sprache ergeben, sind für Nicht-Autisten durchaus lustig zu lesen. Da spricht der Onkel von vielen Buchstaben im Alfabeet. Dabei kennt der kleine Peter doch nur Beete mit Erdbeeren oder Erbsen. Und jeden Abend gibt es "Armbrot", weil die Familie so arm ist. Während die anderen Kinder Taschengeld haben, er aber nichts in seiner Tasche findet, muss er das Geld aus dem Portmonee seiner Mutter nehmen (die dafür mit einer Heimeinweisung droht!). Dass er sehnsuchtsvoll an den Bahngleisen steht und auf den Rosenmontagszug wartet, ist dann nur folgerichtig. Aber als die älteren Schüler sich dann von ihm "eine Scheibe abschneiden sollen", bekommt er es doch mit der Angst zu tun.

Das Wort "Autismus" wird erst auf der viertletzten Seite das erste Mal verwendet! Während z. B. Liane H. Willey in ihrem Buch "Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht" im Rückblick mit der Aspergerdiagnose ihr Leben reflektiert, beschreibt Peter Schmidt sein Leben ohne Erläuterungen oder fachliche Erklärungsversuche. Denn er hat zu diesem Zeitpunkt keine Idee, warum er sich so fremd fühlt. Das macht dieses Buch so besonders: die vielen Missverständnisse in der Schule und in der Familie schmerzen dem Leser umso mehr, weil er schon den Hintergrund kennt.

Der kleine Peter hat das Gefühl, dass er von einem anderen Planeten kommt. Auch Temple Grandin, die bekannteste Autistin überhaupt und mit ihrem Buch "Durch die gläserne Tür" die Verfasserin des ersten Berichtes einer Autistin über ihre innere Autisten-Welt, fühlte sich wie eine "Anthropologin auf dem Mars".

Besonders in der Schule, als Jugendlicher, muss Peter extremes Mobbing aushalten. Er selbst benutzt diesen Begriff nicht, die anderen Kinder sind eben "gemein" zu ihm, wenn sie für sein Verschwinden aus der Klasse sammeln.
Wie Temple Grandin erinnert sich auch Peter Schmidt gern an den Lehrer, der ihn sehr früh gefördert hat. So erzeugt das Finale des Buches echte Gänsehaut...

Das Buch wird zurecht ganz sicher die Bestsellerlisten nach oben klettern und mit dazu beitragen, dass viele Menschen Informationen über Autismus erhalten. Nur eine allgemeine Kenntnis in der Öffentlichkeit führt dazu, dass Menschen wie Peter Schmidt nicht erst mit 41 Jahren ihre Diagnose erhalten. Denn die ist dann eine echte Offenbarung.

Schuster, Nicole und Schuster, Ute: Vielfalt leben - Inklusion von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung

Inklusion und Autismus: DAS Buch

Detaillierte Zusammenfassung aller Inklusionsaspekte in allen Alterstufen. Sehr gut und akribisch gemacht.
Es geht über den Kindergarten in die Schule, weiter über Universität/ Ausbildung bis ins Arbeitsleben. In allen Bereichen wird der aktuelle Stand von Förderung/ möglicher Förderung bis hin zu Vorschlägen, Erwartungen und Notwendigkeiten der Inklusion aufgezeigt. Ich würde sagen: Lückenlos.
Besonders gefallen haben mir die zahlreichen Web-links für weitere Informationen und die Fallbeispiele.
Die Zerrissenheit einer Mutter wird in der Rubrik „Karlas Tagebuch“ jedem neuen Entwicklungsstadium von „Ben“ vorangestellt, wirkt aber als Tagebuch eher aufgesetzt. Hier empfehle ich als Ergänzung das Buch von Liane Willey "Ich bin Autistin - aber ich zeige es nicht".
Deutlich wird, welch weiten Weg die Inklusion noch vor sich hat und als köstlich empfand ich den Überblick über das deutsche föderale Schulsystem. Wenn man das so komprimiert vor sich sieht ist es kein Wunder, das da kaum einer durchsieht. Kompliment an die Autorinnen, die es doch geschafft haben.

Wie Inklusion gut läuft kann man am Beispiel Norwegen anschauen. Dazu hat Halfdan Freihow ein fast schon poetischen Buch geschrieben (der Junge um den es geht ist hier 7 Jahre alt).
Das Buch hat in jedem Fall das Zeug zum Standardwerk im Bereich Inklusion und bietet sich in der Struktur für alle weiteren Inklusionsschwerpunkte/ Behinderungsausprägungen an.

Theunissen, Georg: Der Umgang mit Autismus in den USA: Schulische Praxis, Empowerment und gesellschaftliche Inklusion. Das Beispiel Kalifornien

Fachbuch mit komplexer Darstellung der Möglichkeiten in der Arbeit mit Autisten in den USA

Georg Theunissen ist ein intensiver Kenner der Behinderten- und Autismusszene in Kalifornien und hat sein Forschungssemester zur Erstellung einer grundlegenden und umfassenden Studie genutzt. Sie ist in zwei Teile gegliedert: 1. Leben, Wohnen und Arbeiten im Gemeinwesen und 2. das Schulsystem und Bildungsmöglichkeiten autistischer Schüler.
Wichtig zu wissen: Es ist ein universitäres Fachbuch und deshalb mit einer Vielzahl an Fußnoten, Klammern, Abkürzungen und Erläuterungen versehen (wobei die Fußnoten und extra ausgewiesenen Beispiele oft besonders interessant sind). Außerdem sollte man gute Grundlagen der englischen Sprache mitbringen.
In dem Wust an wissenschaftlichen Belegen droht der Inhalt manchmal unterzugehen: Spannende Berichte von innovativen Angeboten in den USA. Daher eine Pflichtlektüre für (deutsche) Geschäftsführer in diesem Arbeitsfeld, um sich inspirieren zu lassen. Es werden Träger, Handlungsweisen und Ideen vorgestellt. Während wir in Deutschland (der Vergleich beider Systeme wird nur selten angestellt) über Inklusion diskutieren, sind die Amerikaner da sehr viel weiter. Es hat dort auch über 30 Jahre gedauert, aber ob wir diesen Stand jemals erreichen? 99% aller behinderten Schüler werden an normalen Schulen unterrichtet (wenn auch überwiegend in besonderen Klassen)! Im Raum Los Angeles leben 12.500 Schüler aus dem autistischen Spektrum. 86% sind an öffentlichen Schulen! Deutlich wird, dass insgesamt Nicht-Weiße erheblich seltener von den Möglichkeiten profitieren, die das System anbietet. Und spannend: Behinderte Menschen werden viel und intensiv in ehrenamtliche Arbeit eingebunden – war ihr Selbstbewusstsein natürlich immens stärkt.
Schönes Stilelement am Ende: Ein Interview mit dem Autoren zu einem Resümee über die aktuelle Arbeit und die Angebote für Autisten in den USA.
Insgesamt: Viel Inhalt, es lohnt sich – am besten selbst erarbeiten.
Tipp: Wer die Arbeitsweisen und Schwierigkeiten der Entwicklungsplangespräche und Regionalcenter etc. in Kalifornien spannend und packend erlesen möchte, dem sei das Buch „Mein Wunderkind“ von Cathleen Lewis empfohlen, die den Weg ihres Sohnes durch die kalifornischen Systeme (und natürlich ihre Lebensgeschichte dazu) beschreibt.

Bahr, Reiner: Igel-Kinder. Kinder und Jugendliche mit Asperger-Syndrom verstehen

Ein knackiges und gut verständliches Buch für Eltern und Lehrer

Das auffällige an diesem Buch ist auch die tolle Schreibweise. Es ist gut lesbar, zeigt alle wichtigen Verhaltensweisen, Hinweise und Empfehlungen auf ohne mit Fachvokabular unverständlich zu werden. Es ist im Gegenteil sogar spannend zu lesen, weil die Entwicklungsstufen vom Kind zum Kindergarten bis zur Schule beschrieben werden. Dazu gibt es zahlreiche praktische Tipps, z. B. um die Kommunikationsfähigkeit zu verbessern.

Richtig Fahrt nimmt das Buch in Richtung Schule auf: Engagiert werden notwendige Veränderungen im Schulbetrieb verdeutlicht, wenn ungewöhnliche Kinder - und das bezieht sich nicht nur auf Kinder mit Asperger-Syndrom - in den Schulbetrieb integriert werden sollen. Die Herausforderungen, vor der die Inklusion steht, werden hier deutlich.

Für Eltern, aber auch Lehrer, sind Testverfahren beschrieben, die zwar eine psychologische Diagnostik nicht ersetzen können, aber mindestens einen Verdacht erhärten und weitere Vorgehensweisen beschreiben.

Das Interview am Ende macht wieder sehr deutlich, wie wichtig es ist, denen zuzuhören, die das Asperger-Syndrom haben: Sie können es am Besten beschreiben und Bedürfnisse benennen (wie z. B. auch Temple Grandin und Liane Willey).

Das Buch ist klasse, nur eines geht gar nicht: Der Titel. Seit dem Buch von Katja Rohde "Ich Igelkind" von 1999 ist der Begriff "Igelkind" besetzt. Und er steht für Autisten, die in ihrem Körper eingeschlossen sind, sich nur - wenn überhaupt - durch gestützte Kommunikation ausdrücken können. Ein schweres Schicksal. Dieses schwere Schicksal teilen Asperger-Autisten zum Glück nicht, was für ein Segen!

Trotzdem eine kräftige Kaufempfehlung für das Buch, denn der Inhalt ist ein Gewinn für alle Interessierten.

Schmidt, Peter: Ein Kaktus zum Valentinstag

Das Buch beginnt schon ungewöhnlich: mit 278 Vorwörtern. Stimmt, in anderen Büchern steht immer „Vorwort“. Dabei sind es immer viele Worte!
Peter Schmidt zeigt in seinem Buch immer wieder die Besonderheiten von Autisten auf. Ohne darüber viele Worte zu verlieren, dass er selbst Autist ist - denn sein Leben verläuft bis zum 41. Lebensjahr ohne eine Diagnose.
Und so werden wir – durchaus amüsiert - Zeuge, wie Peter Schmidt sein Leben gestaltet und sich dabei immer wieder über die Eigenarten der anderen Menschen wundert und sich fragt „warum bin ich so anders als die anderen?“
So amüsant sich das Buch auch liest, am Ende wird es ernst: er erkennt keinen Ausweg aus seiner komplizierten Weltsicht, obwohl er viel erreicht hat. Eine durchsichtige Wand trennt ihn von den Empfindungen anderer Menschen. Zum Glück sieht er dann im Fernsehen einen Jungen, der genauso ist wie er war - und der wird dort als Autist bezeichnet....
Bis es aber soweit ist, lesen wir über ungewöhnliche Fraueneroberungsversuche während der Studienzeit, Checklisten was man dabei alles wie beachten muss, Straßen die entdeckt werden wollen und Häuser die gebaut werden.
Und als die Lok dann nicht mehr fährt und plötzlich die Raras da sind, da muss Peter wieder flattern... Soll heißen: er heiratet, bekommt Kinder und das ist für einen Autisten sehr ungewöhnlich und abenteuerlich. Wie schön, dass wir an dieser Geschichte teilhaben dürfen.

Natürlich ist dies ein erstklassiges Buch für Menschen, die sich zum Thema Asperger-Syndrom informieren wollen. Von einem Autor, der eben nicht nur von Diagnosen und Empfehlungen schreibt, sondern vielmehr einen Einblick in das tägliche Leben erlaubt und von den Ausprägungen seiner Autismusform berichtet.
So wie damals das Buch „Durch die gläserne Tür“ von Temple Grandin das erste englischsprachige Buch in diesem Bereich war und damit viel zum allgemeinen Verständnis der Autismus-Spektrum-Störung beigetragen hat, so hat dieses Buch seinen Anteil an der Diskussion in Deutschland. Fernseh- und Podcastbeiträge über Peter Schmidt finden Sie unter autismus-buecher.de .
Und am Ende gibt es dann noch 882 Nachworte.

Tammet, Daniel: Wolkenspringer

Daniel Tammet gehört zu den ganz bekannten Autoren aus dem autistischen Spektrum. Ein Savant, der ein außergewöhnliches Gehirn besitzt und die eigenen Denkprozesse beschreiben kann! Einzigartig auf der Welt, viele sind trotz Genialität stark eingeschränkt in anderen Lebensbereichen. Während er in seinem ersten Buch „Elf ist freundlich und Fünf ist laut“ über sein Leben und seine Fähigkeiten berichtet hat, schreibt er in „Wolkenspringer“ über die Fähigkeiten des Gehirns. Sicherlich kann man an der ein oder anderen Stelle auch von den Erkenntnissen lernen, aber ganz sicher nicht zum Savant werden.
Die neuen Forschungsergebnisse der Wissenschaftler über unser Gehirn sind beeindruckend zu lesen. Tammet scheint jede Untersuchung und Idee zu kennen. Kein Wunder: So war er selbst Gegenstand zahlreicher Tests, um seine beeindruckenden Leistungen und Fähigkeiten zu dokumentieren. Dabei sieht er sich durchaus auf Augenhöhe mit uns Nicht-Savants: Er kann sich Zahlen merken, aber kaum Gesichter – wir sind bei der Merkfähigkeit von Gesichtern viel besser als er.
Spannend, wie er den IQ-Test erläutert, seine Fehleranfälligkeit diskutiert und Alternativen aufgezeigt. Ein Kapitel widmet er dem Spracherwerb und der Vielfalt von Sprachen: Eines seiner Spezialgebiete, denn er konnte in einer Woche isländisch erlernen … Da begnügen wir uns doch wieder mit den Gesichtern.
Natürlich wendet er sich auch den Zahlen zu, beschreibt, wie diese zu erlernen sind und wie es bei ihm funktioniert.
Am Ende setzt Tammet sich mit der medialen Informationsflut und auch dem Wahrheitsgehalt von Wikipedia auseinander. Sehr aktuell und wichtig zu lesen. Seine statistischen Ausführungen dazu sind brillant.
Ein Ausblick darf nicht fehlen: Computerchips im Hirn und unendliche Möglichkeiten der Verbindung von Mensch und Technik. Die Cyborgs werden kommen.

Tammet, Daniel: Elf ist freundlich und Fünf ist laut.

Eigentlich hatte ich die Geschichte eines Ausnahmebegabten erwartet. Eine Geschichte über einen der wenigen Savants, die ihre besondere Begabung für Film und Fernsehen nutzen können und nicht ihr Leben lang auf Hilfe angewiesen bleiben wie z. B. Kim Peek, der für "Rain Man" Pate stand.
Aber es kam anders. Auch Daniel Tammet musste durch eine schwierige, von Unverständnis geprägte Kindheit. Immer wieder suchte er nach einem "richtigen" Weg für sich. Beeindruckend, wie er innerhalb eines freiwilligen Jahres in Littauen zurecht kommt und Freundschaften schließt.
Online-Sprachkurse, coming-out als Homosexueller, der Versuch "normal" zu leben - all das hätte ich in diesem Buch nicht erwartet. Seine Ausnahmebegabung wird am Ende dann aber auch noch erwähnt. Absolut lesenswert!


Axel Brauns: Buntschatten und Fledermäuse. Mein Leben in einer anderen Welt

Brauns schreibt sein Buch 2002 und es hat nichts an seiner Aktualität verloren. Nicht umsonst führt das Buch die Amazon-Verkaufscharts im Bereich Autismus seit vielen Jahren an.
Wie viele Autisten wählt auch Brauns häufig selbst erfunden Worte, die sehr poetisch klingen: So machte die "Haha" (Mutter) oft "Lippenlärm". Außerdem kann er sich sehr intensiv an seine Kleinkindzeit erinnern und wie er plötzlich autistisch wurde.
Er beschreibt ganz ausführlich wie er sich als Autist fühlt und warum er wie reagiert. Er hat kein Gefühl für seinen Körper, keinerlei Schmerzempfinden, was zur kuriosen Szenen beim Arzt führt.
Gesichter kann er nicht erkennen, sie "wabern". "Nebel aus den Augenauen verteilt sich auf dem Gesicht". Bei TV-Küssen muss er sich schmerzhaft abwenden, weil sich die Gesichter dabei scheußlich in einander verwölkten.
Größte Schwierigkeiten bereiten ihm übertragene Begrifflichkeiten wie zum Beispiel "Leseratte". Häufig versteht er Aussagen so grundsätzlich falsch, das er wesentliche Entscheidungen fälschlicherweise trifft (so er hört mit dem Fußballspielen auf, weil er denkt, er soll dort eingesperrt werden, dabei soll er nur in eine neue Mannschaft).
Sein liebstes Versteck ist sein hochgeklapptes Bett, was mich sehr an die Quetschmaschine von Temple Grandin erinnert hat.
Er beschreibt seinen Lebensweg bis in Studium hinein, wobei auch bei ihm die Pubertät eine besonders schwere Zeit darstellt: Waren für ihn früher Gespräche zwischen Menschen (Smalltalk) sehr rätselhaft, so sind sie nun „von einer anderen Welt“. Irgendwie ist es wichtig geworden, ob ein Mädchen gut aussieht – aber er erkennt keine Gesichter… So muss er seinen Bruder oder Freunde fragen, ob denn ein Mädchen gut aussieht – oder soll er das Mädchen selbst fragen, ob es gut aussieht? Und ob er eine Freundin hat… nun ja, wie soll er das wissen.
Mit 18 Jahren hofft er, endlich „vollständig“ zu werden....
Ein einzigartiges Buch – unbedingt lesen, wenn man Asperger-Autisten etwas besser verstehen möchte.

Rohde, Katja: Ich Igelkind

Puhh, ich wollte einfach mal "zwischendurch" eines der vor vielen Jahres sehr kontrovers diskutierten Bücher lesen. Aber das ist kein Buch für "zwischendurch", es ist absolut kompakt und dramatisch. Eine Mutter, die extrem engagiert ist (der Graus vieler Hilfseinrichtungen) und an ihr Kind glaubt. Als dann aber jemand die Intelligenz des Kindes mit 23 Jahren erkennt, will sie das nicht wahrhaben - bis sie es selbst erkennt und die wichtigste Stütze ihrer Tochter bei der "gestützten Kommunikation" wird. Das ist Dramatik pur auf den ersten Seiten. Meine Bewunderung gilt auch der Mutter, die ihr Leben dem unendlichen Einsatz für ihre Tochter verschrieben hat. Was für eine Stärke!
Dann beschreibt das Igel"kind" selbst ihr Innenleben. Sicherlich eine komplexe Wortwahl und nicht immer verständlich, mit dem Hintergrund liest es sich aber wie eine Offenbarung.
Das Thema FC (= Facilitated Communication = Gestützte Kommunikation) ist absolut faszinierend. Wie geht es mit dem Igelkind Katja Rohde weiter? Auf meiner Website sind Links zu Interwievs aus 2007 zu finden - und dann? Falls jemand etwas weiß, freue ich mich über einen Hinweis. Ein weiteres Buch war angekündigt (nicht nur der Gedichteband auf Französisch).
Ganz sicher lesenswert.

Sacks, Oliver: Eine Anthropologin auf dem Mars

In seinem Buch stellt Oliver Sacks sieben außergewöhnliche Menschen vor, die neurologisch relevante Befunde haben. Alles ganz ungewöhnliche und interessante Geschichten - wichtig war für uns der Bericht von Oliver Sacks über die Autistin Temple Grandin. Es ist eine überaus bereichernde Literatur, wenn man sich mit der Geschichte von ihr beschäftigt. Nicht nur der bekannte Neurologe Sacks hatte Zweifel an der Biografie von Temple und der folgenden, fast unglaublich erfolgreichen Lebensgeschichte. In seinem Bericht schildert er nun die Außensicht auf Temple Grandin - diesen Blick gab es bis zu dem Zeitpunkt noch nie. Allein deshalb lohnt es sich, dieses Buch zu lesen.
Sacks ging übrigens recht vorsichtig in die Begegnung und war trotzdem schon nach kurzer Zeit mittendrin: Inklusive eines Tests ihres Berührungsapparats, der "Quetschmaschine"....

Sellin, Birger: ich will kein inmich mehr sein.

Einblick in die hässliche Tiefe des Autismus: Birger hat Schreianfälle, beisst sich manchmal in die Hand, spricht nicht. Er hat Autismus, wird für schwer geistig behindert gehalten, obwohl die Entwicklung bis zum zweiten Lebensjahr normal verlief. Seine ersten 20 Lebensjahre werden im Überblick beschrieben.
Dann hört seine Mutter von der "unterstützten Kommunikation" und probiert das mit Birger aus. "Unterstützte Kommunikation" wird in der Regel mit FC abgekürzt (aus dem englischen für "Faciliated Communication") und bedeutet genau das: Eine Vertrauensperson unterstützt dabei, die Finger, später nur noch den Arm, zur Tastatur oder dem Buchstabenbrett zu führen. Manchmal ist auch nur die Berührung der Hand oder der Schulter ausreichend. Birger konnte darauf reagieren und begann zu schreiben. Ein Wunder für die Eltern und alle Betreuungspersonen.
Wie sich durch die mühselige Kommunikation herausstellte, hatte Birger sich Lesen schon mit fünf Jahren selbst beigebracht, beherrscht auch Englisch und hat eine eigene Sprache entwickelt. Viele Parallelen zu Katja Rohdes Ich Igelkind: Botschaften aus einer autistischen Welt.
Im Buch hat der begleitende Journalist sehr viele Texte von Birger ausgewählt, die vorrangig seine Entwicklung aufzeigen und einen beeindruckenden Bericht aus seiner Welt des Autismus liefern. Birgers Ziel ist es, Verständnis für alle Menschen mit Autismus zu schaffen und auf ihre Leiden aufmerksam zu machen um ihnen damit eine Möglichketi zu bieten, aus ihren unvorstellbaren Kerkern auszubrechen.
Die Texte sind unendlich berührend und zeugen von hoher Intelligenz.

Gagelmann, Hartmut: Kai lacht wieder

Ein frühes Plädoyer für grenzenlose Inklusion. Der 19jährige Hartmut muss seinen Zivlidienst ableisten und sucht sich dafür ein Wohnheim für behinderte Kinder aus. In den ersten drei Wochen wird er gefühlt um viele Jahre älter und nimmt fast 10 kg ab. Er beschreibt den Alltag im Wohnheim - schonungslos bis zur Ekelgrenze. Im Wohnheim für Kinder lernt er das autistische Kind Kai kennen - der ihn vor ungeahnte Herausforderungen stellt und an denen der von tiefstem Herzen engagierte Hartmut fast zerbricht.
Durch eine unkonventionelle Idee - die man im Fachdeutsch "paradoxe Intervention" nennen würde - beginnt die Wende...
Auch nach seinem Zivildienst bleibt er engagiert, verbringt sogar seinen Urlaub mit dem Kind. Ein ganz ehrliches Buch, eben nicht von einem studierten Fachmann, sondern von einem engagierten Menschen. Ein Mensch, der an vielen Stellen mehr leistet, als so mancher Fachmann bereit wäre zu tun. "Chapeau" für einen tollen Menschen, der in jungen Jahren sehr viel für den Rest seines Lebens gelernt und gefühlt hat.
Übrigens mit einem Vorwort von Wim Thoelke, der zu Recht den besonders gelungenen Schreibstil des Autors lobt.

 

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